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Was zur WM drohte und dann nicht kam | 2006-07-09


Berlin - An Warnungen hatte es nicht gefehlt: Gewalt, schlechte Stimmung oder einfach nur mieses Wetter - noch vor wenigen Wochen prophezeite so mancher eine Fußball-Weltmeisterschaft der Pleiten und Pannen in Deutschland. Doch die meisten Kassandra-Rufe verhallten während der 31 WM-Tage (alphabetische Reihenfolge):

AUSLÄNDERFEINDLICHKEIT: Eine Serie von Anschlägen auf Ausländer in den vergangenen Monaten ließ für die WM Schlimmes befürchten. Von Tabuzonen und No-Go-Areas für Ausländer war die Rede. Doch für die Dauer der Meisterschaft hielten sich praktisch alle an das Motto Die Welt zu Gast bei Freunden.

BEDROHTE SICHERHEIT: Prügelnde Hooligans, Horden von Taschendieben - die Sicherheitskräfte hatte sich auf gefährliche Szenarien eingestellt. Doch die Einsatzpläne gegen massive Ausschreitungen und ausufernde Kriminalität blieben in der Schublade. Die Polizei hielt vor allem die riesigen Dauer-Partys der Republik gut im Auge.

FAN MERKEL: Nicht nur gut informierte politische Beobachter sahen Angela Merkel als Fußball-Ignorantin. Doch als die Kanzlerin die Abseitsregel fehlerfrei erklärte, stutzten die Fußball-Machos. Und angesichts der jubelnden Angie, die sogar die deutsche Elf in der Kabine besuchte, war klar: Nicht nur männliche Politiker buhlen mit Begeisterung für die Kicker um Popularität.

HALBVOLLE STADIEN: Losverfahren, hohe Preise, begrenzte Länderkontingente - viele befürchteten Lücken auf den Tribünen wie vor vier Jahren in Japan und Südkorea. Doch die WM wurde zum Kassenschlager, die Stadien waren voll ausgelastet. Und rund 20 Millionen Euro hat das Organisationskomitee mit den Eintrittskarten auch noch verdient.

HOHE HÜRDE ACHTELFINALE: Viele sahen die Klinsmann-Truppe schon kurz nach der Vorrunde im Aus. Doch Ballack und seine Mannen steigerten sich und schalteten sogar den klaren Favoriten Argentinien aus. Im Halbfinale brauchten die Italiener immerhin 120 Minuten für die Entscheidung, und jetzt will sogar Ober-Kritiker Franz Beckenbauer den Trainer halten.

LAHME FANS: Wenige Tage vor Anpfiff vermissten noch viele die richtige WM-Vorfreude. Als der Ball rollte, zündete die Begeisterung schnell. Inzwischen ist Deutschland um mindestens zwei Begriffe reicher: Fanmeile und Public Viewing. Wie nie zuvor fieberten Millionen statt in der guten Stube gemeinsam vor riesigen TV-Wänden.

MIESES WETTER: Auch die Sonne war WM-tauglich - der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite. Die Temperaturen lagen um 1,3 Grad über dem Mittel von 15,4 Grad, es fiel nur gut die Hälfte des üblichen Niederschlags, und die Sonne schien mit 265 Stunden nahezu ein Drittel länger.

PROSTITUTION: Bordelle hofften auf gute Geschäfte, Behörden und Hilfsgruppen befürchteten mehr Opfer von Zwangsprostitution. Doch der Ansturm auf Freudenhäuser blieb aus. Für die Internationale Organisation für Migration ist Deutschland im Kampf gegen Frauenausbeutung sogar vorbildlich.

TERROR: Bundeswehrsoldaten, Radarüberwachung, flächendeckende Kontrollen - aus Furcht vor Anschlägen wurde schweres verbales Geschütz aufgefahren. Die Bundeswehr wollte bis zu 7000 Soldaten bereit halten. Außer einem verwirrten Amokfahrer in Berlin verlief die WM fast gewaltlos, Anschläge blieben Deutschland erspart.

WM-FREIE ZONEN: Für Fußballmuffel waren die vier WM-Wochen eine schwere Zeit, doch nach der Vorrunde zeigte sich: Sie sind eine aussterbende Spezies - viele WM-freie Zonen in Hotels und Gaststätten erwiesen sich als Flop.


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