Berlin - Rekord verpasst, Weltmeistertitel im Elfmeterkrimi gewonnen - nach einem Wechselbad der Gefühle wurde Gianluigi Buffon doch noch zum großen Sieger des WM-Finals von Berlin.
Mit seinen Glanzparaden rettete er die Azzurri ins Elfmeterschießen, in dem der Keeper von Juventus Turin nicht einmal einen Schuss für den vierten Titelgewinn halten musste. Ich hasse Elfmeterschießen, hatte Buffon bei dieser Weltmeisterschaft verraten. Früher habe ich es so geliebt, aber dann hat mir die Niederlage im Elfmeterschießen gegen den AC Mailand im Champions League-Finale den Spaß verdorben, sagte Buffon. Seit dem Finale von Berlin wird Buffon Elfmeterschießen wieder heiß und innig lieben.
Nach nur sieben Spielminuten war sein persönlicher Traum von der neuen Bestmarke geplatzt. 460 Minuten war Italiens Keeper bei dieser Weltmeisterschaft unbezwungen geblieben, bevor Zinedine Zidane ihn mit einem Elfmeter bezwang. Damit schrammte der Keeper von Juventus Turin nur knapp am alten Rekord von Walter Zenga vorbei, der bei der WM 1990 insgesamt 517 Minuten lang unbezwungen geblieben war.
In allen WM-Spielen war ich überzeugt, kein Tor zu kassieren, sagte Buffon, der bis zum Finale nur ein Gegentor hatte hinnehmen müssen und dabei von den Gegnern unbezwungen blieb: Beim 1:1 im zweiten Gruppenspiel gegen die USA traf Cristian Zaccardo in der 27. Spielminute ins eigene Netz - und verhinderte damit möglicherweise einen WM-Rekord für die Ewigkeit. Lebemann Buffon, den nichts wirklich anzufechten scheint, nahm es gewohnt gelassen: Ich habe ihn getröstet, verriet der 1,90 m große Hüne, den Nationaltrainer Marcello Lippi als absoluten Weltklassetorwart lobte.
Rekorde, Statistiken und Titel sind seine Sache nicht. Auch die in Italien heiß diskutierte Frage, ob er nun wie 1982 Zoff auf einer Briefmarke in Italien verewigt werden sollte, ließ ihn kalt: Daran habe ich noch keinen Gedanken verschwendet, gestand Buffon. Dass ihn Zoff aber zum besten Torwart der Welt erklärte, machte ihn schon stolz. Zoff ist so groß, mit ihm möchte ich mich gar nicht vergleichen, gab sich der Turiner ungewohnt bescheiden.
Das außergewöhnliche Talent verhalf ihm schon früh ins Rampenlicht. Im Alter von nur 17 Jahren debütierte er beim Spiel des AC Parma gegen den AC Mailand in der Serie A, nur knapp drei Jahre später gegen Russland in der Squadra Azzurra. Die Klasse des Keepers weckte Begehrlichkeiten: Im Jahr 2000 schlug er mehrere lukrative Offerten europäischer Topclubs aus. Erst einen Sommer später wechselte Buffon aus Parma zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin - für unglaubliche 52 Millionen Euro. Mehr wurde bis heute niemals für einen Torhüter bezahlt.
Dabei stand seine WM-Teilnahme noch vor einigen Wochen auf der Kippe: Insgesamt 1,6 Millionen Euro soll der Schlussmann auf Fußballspiele verwettet haben. Mitten in der WM-Vorbereitung bestellte die Staatsanwaltschaft Parma ihn zum Verhör. Das gegen ihn eröffnete Ermittlungsverfahren und die folgenden Schlagzeilen über den Zocker Buffon kosteten Nerven. Erst als er glaubhaft versichern konnte, nur auf ausländische Ligen gesetzt und sich aus dem Wettgeschäft zurückgezogen zu haben, ließen die Fahnder von ihm ab.
Für positivere Schlagzeilen sorgt seine Beziehung zu Alena Seredova. Die frühere Miss Tschechien und der Star von Juventus Turin sind seit einem Jahr eines der schillerndsten Paare der italienischen Promi-Szene. Vor der WM ließ sie sich mit nicht viel mehr als Buffons Handschuhen am Körper im Fußballtor ablichten. Bei jedem WM-Spiel Italiens feuerte die dunkelhaarige Schönheit Buffon im Stadion an.
Wo sie ihren Liebling in Zukunft anfeuern wird, ist offen. Wenn das Sportgericht Juve am Dienstag höchstwahrscheinlich zum Zwangsabstieg verurteilt, ist Buffon auf dem Sprung: Ich weiß nicht, ob ich dann bleibe, verweigerte er Juve vor dem WM-Finale den Treueschwur.
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