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Hunderttausende Fans feiern furioses WM-Finale | 2006-07-10


Berlin - Freudengesänge, Feuerwerk und grenzenloser Jubel: Mit stürmischem Beifall haben hunderttausende Fans in Berlin und in anderen deutschen Städten den neuen Weltmeister Italien hochleben lassen.

Nach dem 5:3-Triumph nach Elfmeterschießen im Finale gegen Frankreich im Olympiastadion stieg auf Deutschlands Partymeile Nummer eins am Brandenburger Tor ein letzter Riesenbeifall in den Nachthimmel auf. Auch anderswo sorgten zahllose Fans für einen gelungenen Abschluss der WM 2006 in Deutschland. Bis auf kleinere Rangeleien wie in München blieb es zunächst weitgehend friedlich.

Zum krönenden WM-Ausklang lagen sich die Fans der Azzurri vielerorts vor Freude in den Armen und tanzten auf den Straßen. In Berlin freuten sich viele, dass die Italiener gerade nach der unsportlichen Attacke des französischen Superstars Zinédine Zidane die Trophäe errangen. Auch deutsche Fans applaudierten dem neuen Titelträger nach der dramatischen Zitterpartie. Auch auf den Rängen des Olympiastadion wurde ausgelassen gefeiert. Die Berliner Meile verabschiedete sich von ihren Fans mit einer bunten Lasershow. Mit Hupkonzerten und einem Autokorso nahmen Italiener den Kurfürstendamm friedlich in Beschlag.

Zum Ende der vierwöchigen Fußball-Dauerparty hatte die Fanmeile in der Hauptstadt ein eher ungewohntes Farbenmeer gezeigt. Zwar standen vor den Videowänden viele im weißen Dress der DFB-Auswahl, doch vor allem Anhänger der Endspielgegner waren in Scharen gekommen. Mit Fahnen und Gesängen feuerten die Tifosi aus Italien und Anhänger der französischen Equipe tricolore ihre Mannschaften an. Zum dramatischen Endspielduell waren viele auch ohne Stadionticket aus den beiden Teilnehmerländern angereist. Genial! riefen Vincent (32) und Thibault (33), die mit Freunden in einem Wohnmobil aus dem französischen Dünkirchen gekommen waren. Die 21-jährige Silvia aus Genua schwärmte ebenfalls von der tollen Atmosphäre auf der Meile, die sich ebenso wie das Stadion multikulturell präsentierte.

Viele deutsche Fans wollten in Berlin noch einmal Begeisterung und Stimmung für die künftig fußballärmere Zeit tanken. Das war unsere WM, freute sich ein 44-Jähriger aus Aachen. Viola aus Lübbenau im Spreewald war es egal, wer spielte. Sie sei nur wegen der Stimmung angereist, sagte die 43-Jährige. Kurz vor dem Anpfiff kam auch noch der frühere US-Präsident Bill Clinton zu einem spontanen Überraschungsbesuch auf die Meile. Deutschland habe die WM ganz wunderbar organisiert, rief er den Fans zu und brauste ins Stadion.

Am Mittag war die Hauptstadt noch in der Hand deutscher Fans gewesen - beim umjubelten WM-Abschied der Nationalelf vor einem Fahnenmeer aus Schwarz-Rot-Gold. Kapitän Michael Ballack holte einen Spickzettel aus dem Stutzen von Torwart Jens Lehmann und bedankte sich für die Fan-Unterstützung. Bundestrainer Jürgen Klinsmann war begeistert: Tausend, tausend, tausend Dank, Ihr seid fantastisch. Das ist unglaublich, rief er in die Menge. Popstar Xavier Naidoo und die Band Sportfreunde Stiller sorgten für Stimmung. Am Samstag hatte die DFB-Auswahl mit einem 3:1 über Portugal WM-Platz drei erreicht.

Etwa 6000 Polizeibeamte waren am Endspieltag in Berlin im Einsatz. Sie hatten das riesige Fanfest gesichert, zu dem seit Turnierbeginn insgesamt mehr als neun Millionen Besucher kamen. Die Stimmung blieb auch am Sonntag trotz hoch kochender Emotionen meist friedlich.

Berlin erlebte zum Finale auch einen Ansturm der VIPs und Staatsgäste. Neben den Präsidenten Jacques Chirac (Frankreich) und Giorgio Napolitano (Italien) kamen auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und Südafrikas Staatspräsident Thabo Mbeki, dessen Land Gastgeber der WM 2010 ist.

In München feierten tausende Fans den vierten Titelgewinn Italiens bei einer Fußball-WM. Allerdings schien es einigen Deutschen schwer zu fallen, sich mit den Italienern zu freuen, die die deutsche Elf im Halbfinale besiegt hatten. Während des Spiels kam es auf dem Fanfest und in einem Biergarten zu Prügeleien zwischen Fans beider Länder.

An der Main-Arena in Frankfurt fielen sich Italiener in die Arme, ein Franzose weinte, Bierbecher flogen durch die Luft. In Leipzig spendeten die Fans eher höflichen Applaus, viele hatten auf die Franzosen gesetzt. Jubel in Grun-Weiß-Rot dagegen in Hamburg, wo rund 40 000 Fußballanhänger feierten. In Hannover waren es rund 10 000 Menschen, die zu einer letzten Fußball-Party zusammenkamen, in Nordrhein-Westfalen waren es noch einmal zehntausende Fans. Auch in der Stuttgarter Innenstadt wehten die Fahnen des neuen Weltmeisters.


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