SCHWEDEN:
Aftonbladet: Als die Italiener beim Finale ihr doppeltes Gesicht zeigten, das dunkle und das strahlende, und dann den Weltpokal in die Luft hielten, war der Meister aller Meister nicht mehr da. Der letzte Trick des Zauberers Zidane bestand darin, sein Genie in reiner Form vorzuführen. Indem er es wegzauberte.
DÄNEMARK:
Politiken: Die Italiener sind einfach die Besten der Welt. Der große Alte ließ Frankreich im Stich. Was in Zidanes Kopf vorging, wissen nur die Götter. Eigentlich sahen die Franzosen wie die Sieger aus.
BRASILIEN:
O Globo: Italien hat gestern seine zweite Renaissance erlebt (...) Obwohl er nicht die Üppigkeit der Sixtinischen Kapelle besitzt, hat der italienische Fußball wenigstens die Ausdauer und die Disziplin eines großen Künstlers gezeigt. Auf der anderen Seite hatte Zidane als das größte und möglicherweise einzige Genie auf dem Platz Kostproben seines Könnens aufblitzen lassen - aber die Lichter gingen für ihn vorzeitig aus.
Jornal do Brasil: Es war der Sieg der Kraft, der ständigen Bewegung, des taktischen Fleißes über das arme, unglückliche Talent. Letzteres wurde nur repräsentiert in wenigen Szenen eines Zidane, eines Henry, eines Cannavaro, oder eines Pirlo. Aber man weiß ja, dass ein Finale fast immer so ist: ein hässliches und nervöses Spiel, und dass der Sieger aus den Fehlern und Details hervorgeht.
Jornal da Tarde: Die Erde ist blau! In einer WM, in der Technik und Fußball gefehlt haben, musste ja das Team mit mehr Herz gewinnen (...) Italien war nicht brillant - tatsächlich war es das nur in ganz wenigen Augenblicken des Turniers. Vielleicht nur im Halbfinale gegen Deutschland. Aber der Sieg Italiens brachte eine Lehre: Die Kraft einer Gruppe kann eine Mannschaft weit bringen, selbst wenn diese Mannschaft keine Stars hat.
ARGENTINIEN:
Olé: Diese Weltmeisterschaft ist bella. Die Squadra Azzurra bewies beim Elfmeterschießen mehr Zielgenauigkeit als Frankreich.
Clarín: Aller Ruhm gebührt Italien. Kaum hatte der Schuss von Grosso das Netz erzittern lassen, brach die gesamte Mannschaft in Jubel aus. Italien lieferte nicht gerade sehenswerten, aber dafür sehr effektiven Fußball und wird allen Freunden dieses Sports in Erinnerung bleiben. Jetzt feiern die Azzurri. Und das verdient.
La Nación: Die Italiener haben bewiesen, dass ihnen Kritik und mangelnder Glaube an den Sieg nichts anhaben können. Entgegen aller Vorhersagen und inmitten einer tiefen Krise hat sich der italienische Fußball vom Elfmeterpunkt aus seinen vierten Weltmeistertitel gesichert. Beim Elfmeterschießen vermisste Frankreich Zidane schmerzlich.
NIEDERLANDE:
Telegraaf: Italien strahlt. Zinedine Zidane beendete seine Karriere mit einem beschämenden Abgang.
Volkskrant: Ein Kurzschluss im Kopf von Zinedine Zidane setzte seiner ruhmreichen Laufbahn ein bizarres Ende.
Trouw: Der Abschied Zinedine Zidanes von der internationalen Bühne war erinnerungswürdig, aber bestimmt anders als er selbst und die Fußballwelt gehofft hatten.
SCHWEIZ:
Basler Zeitung: Mäßig gestartet, am Ende unschlagbar - so wurde Italien 1982 Weltmeister. Und jetzt wieder.
Berner Zeitung: Italien hat gestern auf dem höchsten Thron des Fußballs Platz genommen. Der Weltmeistertitel ist der verdiente Lohn für die starken Leistungen in diesem Sommer. Italien hat unter dem Strich den besten Turnierfußball gespielt.
Neue Zürcher Zeitung: Das Endspiel im Berliner Olympiastadion hat ein getreues Abbild dieses WM-Turniers ergeben. Die Finalisten standen beide für hervorragenden Teamgeist, Kollektivleistung und hohen Fitness-Grad.
Tages-Anzeiger: In der Folge entwickelte sich ein unterhaltsames WM-Finale, kein hoch stehendes oder elektrisierendes, aber zumindest eines, wie man es nach den 63 zuvor ausgetragenen Partien hatte erwarten dürfen. Taktisch, auf Sicherheit bedacht, abwartend - dennoch mit Torszenen.
Tribune de Geneve: Fußball auf hohem Niveau ist nie völlig vorhersehbar. Das beweist auch, dass eine Weltmeisterschaft das Ergebnis von Arbeit mit einem langen Atem ist.
SERBIEN:
Vecernje novosti: Die Italiener sind gegen Frankreich zu ihrem altbekannten Defensivspiel zurückgekehrt. Sie waren ohne eine richtige Idee vom Angriff, auch in jenen Momenten, als sie einen Spieler mehr hatten. Als es wirklich galt, hatten sie stärkere Nerven.
Press: Die Italiener haben es wirklich verdient, sich endlich zu freuen und entschädigt zu werden für das Elfmeter-Leid, das sie bei der Niederlage im Halbfinale 1990 von Argentinien im eigenen Land erlebt haben.
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