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Zwanziger warnt vor Nachfolge-Debatte | 2006-07-10


Berlin - Der heiß umjubelte und umworbene WM-Erfolgstrainer ist erst einmal auf Tauchstation gegangen - DFB-Chef Theo Zwanziger hat dagegen vor voreiligen Spekulationen und Diskussionen um eine mögliche Nachfolge von Jürgen Klinsmann gewarnt.

Es steht im Moment überhaupt nicht zur Debatte, überhaupt über Namen zu reden. Unser Name heißt Jürgen Klinsmann. Das sind wir den Fußball-Fans in Deutschland schuldig, sagte der Verbandschef im TV-Sender N24. Zwanzigers Präsidenten-Kollege Gerhard Mayer-Vorfelder hatte zuvor in der Stuttgarter Zeitung nochmals von einer möglichen Übergangslösung für ein, zwei Spiele gesprochen, falls Klinsmann noch mehr Zeit für seine Entscheidung über eine Vertragsverlängerung bis 2008 oder sogar 2010 brauchen würde. Der scheidende Verbandschef hatte dabei die Namen Christoph Daum und Matthias Sammer als Kandidaten genannt. Für mich gibt es im Moment die Verpflichtung, alles zu tun, damit Jürgen Klinsmann bleibt, entgegnete Zwanziger im Deutschlandradio Kultur.

Klinsmann-Assistent Joachim Löw geht davon aus, dass der Bundestrainer in der nächsten Zeit als erstes mit ihm über Perspektiven und Konzepte sprechen wird. Jürgen Klinsmann und ich werden das erste Gespräch führen. Dann schauen wir, ob das Gesamtpaket stimmt und ob Jürgen Klinsmann weitermacht. Davon wird vieles abhängig gemacht, verkündete Löw nach dem 3:1 im kleinen WM-Finale gegen Portugal und ergänzte: Wir alle sind von dem Virus infiziert, auch die Verantwortlichen beim DFB. Wir stehen für innovativen, offensiven und attraktiven Fußball.

Der Assistent will seinen Chef zu nichts drängen: Aber es wäre wünschenswert, dass wir in der jetzigen Konstellation weiter arbeiten. Da ist ein großes Vertrauen entstanden. Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff hat ein Treffen mit Klinsmann, der mit seiner Familie in einen unbekannten Urlaubsort gereist ist, schon für diese Woche angekündigt. Bis zuletzt hatte es im inneren Zirkel der sportliche Leistung und auch mit der DFB-Spitze Sondierungsgespräche gegeben.

Klinsmanns Projekt war bei seinem überraschenden Einstieg als Bundestrainer nach der Europameisterschaft 2004 eindeutig nur auf zwei Jahre ausgelegt. Aber durch die Lawine, die der Wahl-Amerikaner mit seiner erfolgreichen Arbeit losgetreten hat, ist er zumindest ins Grübeln gekommen: Ich kann das Ganze noch nicht ordnen.

Sein persönlicher Berater Roland Eitel, so nah wie kaum ein anderer am Bundestrainer, gab in den Ruhr-Nachrichten Einblicke in Klinsmanns Entscheidungsprozess, der wohl vor allem zusammen mit seiner Familie in der Nähe der Stuttgarter Heimat läuft. Er muss sich ein Gesamtbild zeichnen, sagte Eitel und nannte einige Bewertungs-Kriterien: Die Fragen sind klar: Wie groß ist der Aufwand ohne Confed-Cup, Workshop und die ganzen Geschichten im Vorfeld der WM? Wie haben seine Kinder das alles verkraftet? Können wir das Projekt weiter forcieren, kann es ausstrahlen auf den gesamten Verband? Auch er als Berater könne ihn dabei nicht beraten: Ich könnte gar nicht zu ihm sagen: Mach weiter. Und in acht Wochen läuft es schlecht und alle fallen wieder über ihn her. Um Gottes Willen.

Fakt ist, Klinsmann denkt über ein neues WM-Projekt nach, um seine Mission, die beim Turnier im eigenen Land kurz vor der Krönung stand, doch noch zu Ende zu führen. Ich könnte es mir schon vorstellen, dass es ihn reizt, das deutsche Team zur WM 2010 in Südafrika zu führen. Oder zumindest zur EM 2008, sagte Eitel. Das Wie und die Art der Projektleitung könnten dabei erneut überraschen, die Durchsetzbarkeit ist die andere Frage. Wir müssen ihm einfach Zeit lassen, die Erlebnisse von zwei Jahren abzuhaken, die mit der Aussage begannen, wir wollen Weltmeister werden im eigenen Land - und dafür ist er belächelt worden, erinnerte Zwanziger an die Anfänge.

Der DFB-Chef ist überzeugt davon, dass Klinsmann noch vieles in unserem Land für den Fußball bewegen kann. Aber er müsse auch akzeptieren, das ist ein junger Mann, der global um die Welt seine Chancen sieht, der von vielen begehrt wird, der aber Deutscher ist. Da sei es das Beste, was wir tun können: Nicht über ihn herfallen und Quotes abgeben. Ich hoffe, dass er sich für den deutschen Fußball entscheidet. Für Mayer-Vorfelder würde Klinsmann etwas Unvollendetes zurückgelassen: Das sei wie beim Zauberlehrling: Er hat die Geister geweckt und jetzt kann er sie nicht mehr einfach in die Flasche zurückstopfen.


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