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Überaus positive WM-Sicherheitsbilanz | 2006-07-10


Berlin - Die Fußball-WM verlief freundlich und friedlich, die Einsatzszenarien von Polizei, Sicherheitsexperten, Bundeswehr und Rettungsdiensten blieben Theorie: Dieses überaus positive Fazit einte alle Fachleute am ersten Tag nach dem Weltmeisterschafts-Finale in Berlin.

Vier Wochen Partystimmung hätten dafür gesorgt, dass es keine größeren Ausschreitungen gab, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) bei einer bundesweiten Polizei-Bilanz in der Anti-Hooligan-Zentrale in Neuss. Sich abzeichnende Krawalle in Gelsenkirchen, Dortmund und Köln konnten im Keim erstickt werden. Dazu habe der Einsatz von mehr als 500 ausländischen Polizisten aus den Teilnehmer- und Nachbarländern beigetragen.

Sämtliche Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Auch die Fans aus England, Polen und den Niederlanden haben sich überwiegend vorbildlich verhalten, sagte der Chef der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), Michael Endler. Von den auffällig gewordenen Fans stammten 80 Prozent aus Deutschland.

Rund 7000 Straftaten und 875 Verletzte wurden registriert. Unter den Verletzten waren 350 Störer, 200 Polizisten und ansonsten Unbeteiligte. Von den Straftaten waren 38 Prozent Gewaltdelikte wie Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, bei jeder fünften Straftat handelte es sich um Diebstahl. 9000 Menschen wurden von der Polizei vorübergehend festgenommen, meist nur für wenige Stunden.

Das nationale Sicherheitskonzept habe sich bewährt und sei bei vielen Staaten auf großes Interesse gestoßen, sagte ZIS-Chef Endler. Die Polizei hatte in Neuss mit 150 Beamten rund um die Uhr Informationen über problematische Fans zusammengetragen, um gewaltbereite Störer rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Weitere 300 Beamte waren dazu bundesweit an den Spielorten im Einsatz.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte Bund und Länder auf, den Beamten als Ausgleich für ihre Belastung während der Fußball-WM mindestens einen Tag Dienstfrei zu geben. Diese weltmeisterliche Leistung muss belohnt werden, sagte der GdP-Bundesvorsitzende. Die Polizei hat das ausgewogene WM-Einsatzkonzept hundertprozentig umgesetzt und dem Motto der Weltmeisterschaft Die Welt zu Gast bei Freunden Taten folgen lassen.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) dankte den rund 7000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern der Bundeswehr für ihr Engagement während der Fußball-WM. Sie waren zur Unterstützung des Bundes und der Länder im Rahmen der technischen Amtshilfe eingesetzt oder in Bereitschaft gehalten worden, teilte das Ministerium mit.

In den vergangenen Wochen waren zu jedem Zeitpunkt insgesamt mehr als 2000 Soldaten und zivile Mitarbeiter aktiv für die Sicherheit der Teilnehmer und Gäste im Einsatz, erklärte Jung. Darüber hinaus hätten sich rund um die Uhr mehr als 5000 Soldaten mit Ausrüstung und Spezialgerät bereitgehalten.

Auch den Sanitätern bereitete die Fußball-WM kaum schwere Probleme. Es war ruhiger, als wir es erwartet haben, teilte der Malteser Hilfsdienst mit. Der große Andrang auf die WM-Partys habe aber deutlich mehr Arbeit für die meist ehrenamtlichen Helfer bedeutet, hieß es beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Dessen weit über 6000 Kräfte kamen auf 314 000 Einsatzstunden - zuvor geplant waren etwa 100 000.

Am häufigsten behandelt werden mussten Kreislaufprobleme, weil Fans in der oft hochsommerlichen Hitze zu wenig Wasser getrunken hatten. Die Malteser, die in Frankfurt/Main eine Ausnüchterungsambulanz betreuten, waren mit mehr als 14 000 Helfern und knapp 500 Ärzten im Einsatz und kamen auf 170 000 Einsatzstunden.

Bei den Feuerwehren waren 34 000 Kräfte in WM-Dienste eingebunden, teilte der Deutsche Feuerwehrverband mit. Der folgenschwerste Fall war die Amokfahrt eines Autofahrers auf der Berliner Fanmeile, bei der 26 Menschen verletzt wurden. Das Deutsche Rote Kreuz, das mit 35 000 Helfern im Einsatz war, will am Dienstag WM-Bilanz ziehen.


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