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Vom Wackelkandidaten zum Helden: Fabio Grosso | 2006-07-10


Berlin - Er kam als Mitläufer und ging als WM-Held. Mit seinem finalen Treffer schoss Fabio Grosso die Squadra Azzurra in den Fußball-Himmel - und sich selbst endgültig in die Herzen der Tifosi.

Wie schon beim Halbfinalsieg über Deutschland avancierte der bisher unscheinbare Abwehrspieler auch im Endspiel gegen Frankreich zum Hauptdarsteller. Scharf und platziert schoss er den entscheidenden Elfmeter ins Netz, keine Spur von Angst vor dem großen Showdown. Grosso hat eine grandiose WM gespielt. Weshalb sollte er dann verschießen?, fragte sein Abwehrchef Fabio Cannavaro kess.

Grande, Grandissimo, Grosso - die Lobeshymen in der Heimat waren dem schweigsamen Römer nach dem 5:3 im Elfmeterschießen gewiss. Wie entfesselt stürmte er nach dem Siegtreffer über den Platz, verfolgt von seinen jubelnden Mitspielern. Ausgerechnet in den wichtigsten Spielen, die der Weltfußball zu bieten hat, gelangen ihm mehr Tore als in seinen 21. Einsätzen für die Azzurri zuvor. Glaubt mir, ich habe vorher gespürt, dass ich treffen werde. Nun fühle ich eine Glückseligkeit in mir, für die ich keine Worte finde, schwärmte er.

Der erfolgreiche Schlusspunkt einer für ihn traumhaften Fußball-WM setzte nochmals große Gefühle frei. Schließlich verdanken ihm die Italiener nicht nur die Siege über Deutschland und Frankreich, sondern auch den glücklichen Last-Minute-Erfolg im Achtelfinale über Australien. Der von ihm herausgeholte Elfmeter bewahrte das Team vor einem unerwarteten Knockout gegen den Außenseiter. Damit belehrte Grosso auch all jene Kritiker eines Besseren, die ihn für den vermeintlichen Schwachpunkt der Mannschaft hielten.

Voller Freude über die immense Wertsteigerung bei Grosso reiben sich die Vereinsbosse von Inter Mailand derzeit die Hände. Denn kurz vor WM-Beginn hatten sie den Nationalmannschafts-Wackelkandidaten für vergleichweise günstige 5,5 Millionen Euro von US Palermo verpflichtet. Mittlerweile möchte auch Nationalcoach Marcello Lippi den staksig wirkenden Außenverteidiger nicht mehr missen.

Nicht nur aus sportlicher Sicht wird sich mit dem Wechsel zu Inter Mailand vieles ändern. Im Herbst erwarten die Grossos ihr erstes Kind. Noch haben die Eheleute nicht entschieden, wie der Nachwuchs heißen soll. Ob er sich nach solch einer WM nicht mit dem Namen Marcello anfreunden könne, wurde der neue Weltmeister scherzhaft gefragt. Und gab lächelnd diese Antwort: Marcello - das ist wirklich kein schlechter Name.


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