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Im siebten Himmel - Italiens Helden kehren heim | 2006-07-10


Rom - Ein weißes Herz zierte den strahlend blauen Himmel über Rom: Die italienische Kunstfliegerstaffel Frecce Tricolori hatte sich eigens eine ganz neue Formation ausgedacht, um die glorreichen Azzurri mit diesem ganz besonderen Geschenk zu begrüßen.

Seit Fabio Grosso in Berlin den entscheidenden Elfmeter im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Frankreich verwandelt hatte, werden die Stars der italienischen Elf in ihrer Heimat gefeiert wie Fußballgötter.

Schon auf dem Militärflughafen Pratica di Mare bei Rom warteten tausende Fans auf die siegreiche Truppe rund um Kapitän Fabio Cannavaro - und auf den begehrten Pokal, den Italien zuletzt 1982 geholt hatte. Hunderttausende Tifosi waren bereits seit dem Nachmittag in den antiken Circus Maximus gezogen, um der geplanten Mega-Party mit der gesamten Mannschaft beizuwohnen. Campioni del Mondo! (Weltmeister!), riefen sie immer wieder wie im Delirium. Auch die Nationalhymne ist wieder in wie seit Jahren nicht mehr und schallt aus Kneipen und jubelnden Fan-Mündern. Wir sind im siebten Himmel, sagte Nationaltrainer Marcello Lippi.

Auch am Tag nach der Zitterpartie gegen Frankreich konnten einige Tifosi dabei noch nicht so recht an ihr Glück glauben. Ist das wirklich wahr? Wir haben gewonnen?, murmelt der Römer Daniele immer wieder ungläubig. Kommentatoren und Sport-Experten sparten hingegen nicht mit Superlativen. Die Welt gehört uns!, schrieb die römische Zeitung La Repubblica. Und auch der Corriere dello Sport stimmte ein in den überschwänglichen Jubelchor: Die ganze Welt liegt unseren Champions zu Füßen!

Nach einer durchfeierten Nacht fuhren auch am Tag nach dem Finale zahlreiche laut hupende Autos durch die Innenstädte, so mancher war mit einem schweren Kater aufgewacht. Stark alkoholisierte und leicht bekleidete Jungs und Mädels sprangen überall in die Brunnen, beschrieb ein Journalist das nächtliche Szenario in der Siegesnacht. Das Feiern bis zum Morgengrauen sei die einzige Möglichkeit gewesen, die über 120 Minuten Spannungen abzubauen, hieß es.

Schier endlose Autokorsos schoben sich durch die Zentren der Metropolen, kreischende Fans hängten sich aus den Wagenfenstern und brüllten ihre Freude frei heraus: Siamo noi! Siamo noi! (Wir sind es!). Der Platz vor der französischen Botschaft in Rom wurde vorsichtshalber gleich von der Polizei abgesperrt. Dennoch gab es auch Schattenseiten: Rund ein Dutzend Randalierer wurde allein in Rom verhaftet, nachdem sie Autos und Busse angezündet und sich Zusammenstöße mit der Polizei geliefert hatten.

Dennoch: Es war eine Notte Magica - eine magische Nacht - und das gleichnamige Lied von Gianna Nannini, das die Rockröhre für die WM 1990 in Italien geschrieben hatte, dröhnte mehr als einmal aus den Lautsprecherboxen. Nach dem Sieg umarmten sich einander wildfremde Tifosi, Erleichterung brach aus - es war, als fiele ganz Italien ein Zentner schwerer Stein vom Herzen.

In Rom und über der Piazza del Duomo in Mailand erleuchteten Feuerwerkskörper den schwarzen Nachthimmel, Sektkorken knallten, Freudentränen flossen. In vielen Städten tanzten die Italiener spontan auf den Straßen und schwenkten die grün-weiß-rote Nationalflagge. In Kneipen und auf den Piazzas stimmten die überglücklichen Fans immer wieder spontan die italienische Hymne an. Endlich, endlich, haben wir wieder einmal etwas ganz, ganz Großes gewonnen, schwärmte eine Tifosa mit azurblauem Stirnband.

Ein ganz wichtiger Sieg für Italien, voller Symbolkraft. Und was für eine spannende Partie - den Unterschied hat ein einziger Lattenschuss ausgemacht, meinte Ministerpräsident Romano Prodi, der das Spiel in den eigenen vier Wänden mit Freunden und Familie verfolgt hatte. Am Tag danach schien die Sonne vom azurblauen Himmel auf ein vor Glück schäumendes Italien. Auch der Kellner an der Frühstücksbar begrüßte seine Kunden mit den Worten: Campioni del Mondo!


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