München - Den Viertelfinal-Warnschuss des Argentiniers Maxi Rodriguez haben die schwarz-rot-goldenen Helden noch live gesehen, aber auch das konnte den Titelträumern keine Angst vor Maradonas Erben einjagen.
Nach dem Achtelfinal-Rausch gegen die Schweden gehen die deutschen Fußball-Nationalspieler, die nach ihrer Rückkehr aus München gerade noch rechtzeitig im Berliner Quartier das 2:1-Siegtor der Argentinier gegen Mexiko im Fernsehen miterlebten, mit einer extrem breiten Brust ins Duell gegen den WM- Favoriten. Die Argentinier sollen kommen, wir haben keine Angst, tönte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Nicht nur das 2:0 gegen sich tapfer wehrende Schweden, sondern vor allem die Art und Weise des vierten Turniersieges reiht Deutschland endgültig in die Gruppe der Titelaspiranten ein.
Die jungen Klinsmänner beeindruckten 66 000 enthusiastische Menschen in der Münchner WM-Arena sowie Millionen in den Fan-Meilen, Biergärten und vor den heimischen Bildschirmen (87 Prozent Marktanteil) mit einem Blitzstart und einem Offensiv-Feuerwerk, das selbst Projektleiter Klinsmann in Erstaunen versetzte. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine deutsche Mannschaft so losgelegt hat in der ersten halben Stunde, sagte der 41-Jährige und schloss auch mit einem Schuss Genugtuung an: Wir können stolz sein auf die Mannschaft und auf jeden einzelnen Spieler. Für Kapitän Michael Ballack war die erste K.o.-Runde die entscheidende Reifeprüfung: Das war das beste Spiel, was wir seit langer, langer Zeit als deutsche Nationalmannschaft gemacht haben.
Als Lukas Podolski, zwei Mal vom überragenden Miroslav Klose in Szene gesetzt, schon nach zwölf Minuten mit seinen Länderspieltoren 14 und 15 die Skandinavier geschockt hatte, begann praktisch schon das Warmschießen für das Viertelfinale gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien in Berlin. Zumal sich die Schweden mit der Gelb-Roten Karte für den Ex-Leverkusener Teddy Lucic (35.) sowie dem verschossenen Elfmeter von Henrik Larsson (53.) selbst um eine erfolgreiche Aufholjagd brachten.
Diese Mannschaft glaubt an sich selbst. Die kann noch eine ganze Menge erreichen, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel als bekennender Klinsmann-Fan. Die Mannschaft ist wieder in Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften, urteilte Verbands-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Zum 15. Mal steht ein DFB-Team in der Runde der letzten Acht, seit 20 Jahren gab es bei einer WM-Endrunde keinen höheren deutschen Erfolg in einem K.o.-Spiel. Wir sind absolut in der Lage, ins Halbfinale zu kommen und auch ins Finale, betonte Klinsmann - und selbst Kritiker wagen nicht mehr zu widersprechen.
Was sich allerdings niemand ausmalen konnte, ist die riesige Wirkung, die das Klinsmann-Team mit seinen mutigen, frischen und unterhaltsamen Auftritten ausgelöst hat. Nicht nur die typischen Fußball-Fans sind entzückt, ein ganzes Volk scheint aus einer Lethargie gerissen, was bislang wohl nur Fritz Walter und Co. mit dem Sensations-Titel 1954 vermocht hatten. Was da in ganz Deutschland abgeht, ist super. Das spornt uns enorm an, beschrieb der Bundestrainer das Wechselspiel zwischen Mannschaft und Bevölkerung.
In unserer Verfassung haben wir niemanden zu fürchten, rief Kapitän Ballack schon mal den Argentiniern zu, auf die sich das DFB-Team nach zwei Erholungstagen wieder akribisch vorbereiten wird. Das Viertelfinale wird sportlich vielleicht die größte Hürde. Das ist ein anderes Niveau, sagte Torwart Jens Lehmann und machte damit deutlich, dass gegen das Team von Trainer José Pekerman eine Weltklasse-Partie nötig sein wird. Das wird auf jeden Fall ein heißer Tanz. Wir haben den Traum Weltmeister zu werden. Es wäre schade, wenn der Traum gegen Argentinien platzen würde, sagte Philipp Lahm. Das kann sich Klinsmann nicht mehr vorstellen: Es wird nicht Schluss sein. Von Spiel zu Spiel wird unser Hunger größer.
Der Bundestrainer kann sich vor allem auf eine Offensiv-Abteilung verlassen, die jetzt schon mit dem WM-Sturm von 1990 mit Rudi Völler und Klinsmann selbst verglichen wird. Klose (4 Turnier-Treffer) und Podolski (3) spielten die Schweden regelrecht schwindlig. Im Moment ist es sein Turnier, lobte Abwehrchef Christoph Metzelder den Angriffsführer Klose. Und der Bremer selbst, der vom Weltverband FIFA zum zweiten Mal zum Spieler des Tages gekürt wurde, freute sich über die Explosion des jungen Podolski: Das ist der wahre Lukas. Der Neu-Münchner kommentierte mit Gänsehaut seinen dritten Doppelpack in der Nationalmannschaft in der ihm eigenen Art: Ob ich drei, sieben oder 20 Tore mache, ist mir egal. Wir wollen Weltmeister werden, da müssen wir noch drei Mal gewinnen, sagte Poldi trocken.
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