Berlin - Der Selbstmordversuch des Berliner WM-Beauftragten Jürgen Kießling kurz nach dem Abpfiff der Fußball-WM gibt Rätsel auf. Die Motive des lebensgefährlich verletzten Senatsbeamten waren auch zwei Tage nach der Tat nicht bekannt.
Für Hintergründe im politischen Bereich gibt es keinerlei Anhaltspunkte, sagte der Berliner Polizeisprecher Bernhard Schodrowski der dpa. Der Sprecher der zwölf deutschen WM-Städte rang mit dem Tod. Nach dem Selbstmordversuch kurz nach dem Ende des WM-Finales gaben ihm Mediziner am Dienstag kaum noch Überlebenschancen, wie es in Senatskreisen hieß.
Der 65-Jährige hat nach Polizeiangaben zwei Abschiedsbriefe hinterlassen, deren Inhalt nicht bekannt wurde. Die Polizei gibt keinerlei Auskünfte zur Motivlage, sondern respektiert die Privatsphäre der Familie, sagte Schodrowski. Kießling war maßgeblich an der Organisation der Fußball-WM in Berlin beteiligt.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einer menschlichen Tragödie. Man tut gut daran, nicht über die Motive zu spekulieren, sagte Wowereit der Stuttgarter Zeitung. Damit reagierte der SPD-Politiker auch auf einen Bericht der Berliner Zeitung, die von Problemen des Beamten im politischen Bereich erfahren haben wollte.
Kießling hatte sich in der Nacht zum 10. Juli in seinem Haus im Berliner Bezirk Reinickendorf mit einer Pistole in den Kopf geschossen. Er liegt mit lebensbedrohlichen Verletzungen im Virchow-Klinikum. Zum Zustand des Patienten wollte sich das Krankenhaus nicht äußern. Es sei von den Angehörigen zum Schweigen verpflichtet worden. Die Kriminalpolizei ermittelt in dem Fall. Sie prüft, ob die Tatwaffe Kießling gehört, und ob er im Besitz eines Waffenscheins ist.
Der Witwer lebt in seinem Haus mit seiner zwölfjährigen Tochter. Kießling, der in Berlin auch Mister WM genannt wird, gilt als maßgeblicher Initiator der Fanmeile auf der Straße des 17. Juni, die während der Weltmeisterschaft Millionen Menschen anlockte.
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