Berlin/München/Hannover - Friedliches Fußballfest statt Hooligan-Randale: Die Weltmeisterschaft in Deutschland hat in punkto Kriminalität kaum Schlagzeilen gemacht.
Das war nicht mehr als bei einem größeren Schützenfest, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (SPD). Auch in den anderen Bundesländern war die Polizei mit dem Fußballfest nicht überfordert, wie eine dpa-Umfrage ergab. In den meisten Fällen wurden die Ordnungshüter wegen Diebstählen oder Prügeleien gerufen. Zu den befürchteten größeren Hooligan-Ausschreitungen kam es nicht. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) spricht von Straftatenzahlen auf niedrigem Niveau: Kriminelle hätten vor allem falsche Tickets verkauft oder geklaut.
Insgesamt seien knapp 200 nachgemachte Eintrittskarten und rund 250 gefälschte 50-Euro-Banknoten beschlagnahmt worden, teilte das BKA mit. Hinweise auf Gefährdungen durch islamistische Terroristen habe es nicht gegeben, die von Rechtsextremen angekündigten Propaganda-Aktionen seien ausgeblieben. Dennoch habe es während der WM einen nicht näher bezifferten Anstieg rechtsextremistischer Taten gegeben.
Krawalle in Gelsenkirchen, Dortmund und Köln seien im Keim erstickt worden, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP). Sämtliche Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Auch die Fans aus England, Polen und den Niederlanden haben sich überwiegend vorbildlich verhalten. Die prügelnden Fans stammten zu 80 Prozent aus Deutschland. Nur 7000 von 14 Millionen Menschen, die die WM in Nordrhein-Westfalen in Stadien oder auf öffentlichen Veranstaltungen verfolgten, begingen eine Straftat. Meist handelte es sich um Körperverletzungen, Sachbeschädigungen oder Diebstähle.
In Berlin nahm die Polizei Fußballfans am häufigsten wegen Körperverletzung, Beleidigung oder Drogenbesitzes fest - insgesamt 2900 Mal. Die Hälfte aller Gesetzesübertretungen fanden auf der von rund 9 Millionen Menschen besuchten Fanmeile statt. Gut 1100 Mal musste die Polizei an der Spielstätte Stuttgart eine Anzeige schreiben, meist wegen Diebstahls und Körperverletzung.
Neben Dieben und Schwarzmarkthändlern piesackten die Münchner Polizei vor allem zerbrochene Flaschen. Die Glasscherben - an Spitzentagen bis zu 40 Tonnen - zerschnitten vielen Fans in Sandalen oder Flip-Flops die Füße. Glasflaschen wurden schließlich verboten. Insgesamt kamen in Bayern 713 Fans mit dem Gesetz in Konflikt.
Niedersachsen zählte 708 Straftaten rund um das Fußball-Großereignis, sagte Innenminister Schünemann. In 22 Fällen entwendeten Diebe grob unsportlich Eintrittskarten fürs Stadion.
Gleich zu Beginn der WM waren nach Polizeiangaben am Spielort Stuttgart mexikanische Fans in ein Hotel eingebrochen, um Karten für die Partie gegen den Iran zu stehlen.
Rheinland-Pfalz und Hessen landen mit ihren Spielorten Kaiserslautern und Frankfurt/Main und 580 bzw. 533 Straftaten auf hinteren Rängen der Statistik. Im Freistaat Sachsen, der mit Leipzig den einzigen ostdeutschen WM-Spielort stellte, wurden 419 Delikte registriert. Befürchtete Attacken auf Ausländer und Gewalttaten politischer Extremisten blieben aus. Weder rechte noch linke Störer oder auch alkoholisierte Krawallmacher konnten uns dieses Fußball-Fest vermiesen, sagte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU).
Oft überhaupt keinen Anstieg der Kriminalität während der WM konnten Bundesländer ohne Spielstätten wie Sachsen-Anhalt oder Bremen ausmachen. Brandenburg verbrachte mit nicht mehr als 72 WM-Straftaten sehr ruhige vier Wochen, hieß es im Innenministerium. Mit 31 Straftaten war auch die Thüringer Polizei nicht überfordert.
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