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Auch Kanzlerin traurig über Klinsmann-Entscheidung | 2006-07-12


Hamburg - Fußball-Deutschland und auch die Bundeskanzlerin bedauern den Rücktritt von Jürgen Klinsmann - und drücken seinem Nachfolger Joachim Löw die Daumen.

Ich denke, mir geht es wie sehr vielen in Deutschland, dass ich sehr traurig bin über die Entscheidung von Jürgen Klinsmann, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Berliner Kanzler-Amt. Man müsse aber dankbar dafür sein, dass Klinsmann während seiner zweijährigen Amtszeit die Nationalelf so jung und offen spielen ließ und damit Deutschland verzaubert habe.

Kaiser Franz Beckenbauer hat auch jetzt noch das Gefühl, dass Jürgen noch nicht erreicht hat, was er sich vorgenommen hatte. Daher habe ich mir gewünscht, und bis zuletzt erhofft, dass er seinen Weg weitergeht. Er zeigte aber auch Verständnis für die Entscheidung Klinsmanns: 1986 war ich nach zwei Jahren als Teamchef in einer vergleichbaren Situation und habe mich unmittelbar nach dem Turnier in Mexiko völlig leer gefühlt. Spontan wollte ich auch aufhören, habe mir selbst aber dann zwei, drei Wochen Bedenkzeit gesetzt um schließlich doch weiter zu machen. Der WM-OK-Chef begrüßte gleichzeitig die Lösung der Nachfolge-Frage: Joachim Löw hat gezeigt, dass er ein sehr guter Trainer ist. Es ist absolut richtig, mit ihm die Arbeit nun in verantwortungsvoller Position fortzusetzen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte: Auch ich hätte ihn gerne weiter als Bundestrainer gesehen. Er ist der Vater einer jungen Nationalmannschaft, die großes Potenzial für die kommenden großen Turniere hat. Ich hoffe nun, dass der eingeschlagene Weg mit Joachim Löw erfolgreich fortgesetzt wird.

Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack brachte seine Enttäuschung und die Stimmung seiner Kollegen zum Ausdruck. Ich finde es schade, dass Jürgen Klinsmann als Bundestrainer nicht weiter macht. Ich respektiere allerdings seine Entscheidung. Wie die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatten auch die Spieler bis zum Schluss versucht, Klinsmann zum Bleiben zu überreden. Gleichzeitig sei er froh, betonte der künftige Spieler des FC Chelsea, dass wir in Joachim Löw einen neuen Bundestrainer haben, der die Mannschaft kennt und den Stil der bisherigen Arbeit fortsetzen wird.

Nationaltorwart Jens Lehmann ergänzte, Klinsmann habe der Nationalmannschaft eine neue Begeisterung und ein neues Gesicht gegeben. Die Berufung von Löw sei eine logische Entscheidung. Damit wird der Weg, den er bereits entscheidend mitgeprägt hat, konsequent fortgesetzt.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder würdigte die Leistung Klinsmanns, der ein ganzes Volk in Bewegung gebracht hat in einer Art und Weise, wie ich es in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet habe. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger unterstrich: Das DFB-Präsidium war klar und eindeutig für die Fortsetzung der Spielphilosophie von Klinsmann und Löw. Wir wollen eine Mannschaft aufbauen, die die Fans begeistert. Zugleich setzte er den neuen Chef unter Erfolgsdruck: Das Ziel heißt schlicht und klar: Wir wollen Europameister 2008 werden.

Auch bei den Stimmen aus der Fußball-Bundesliga überwiegt das Bedauern über den Rücktritt von Klinsmann, der allerdings von den meisten erwartet worden war. Bayern-Trainer Felix Magath hofft auf eine Kontinuität bei der Kommunikation zwischen DFB- und Bundesliga- Trainern. Mein Kontakt zu Jürgen Klinsmann war so eng wie zu keinem Nationaltrainer zuvor. Ich gehe davon aus, dass das sich unter Jogi Löw nicht ändern wird. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Löw.

Manager Stefan Kuntz vom VfL Bochum sagte: Jürgens Entscheidung kommt nicht überraschend, das hat sich angedeutet. Die Entscheidung pro Joachim Löw ist eine logische Konsequenz, denn er ist derjenige, der die bisherige Philosophie mitbestimmt hat und jetzt am besten umsetzen kann. Zugleich boten zahlreiche Vereine dem neuen Bundestrainer Hilfestellung an. Jetzt bekommt Jogi Löw unsere volle Unterstützung, sagte HSV-Trainer Thomas Doll.


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