Frankfurt/Main - Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert Auszüge der Aussagen von Jürgen Klinsmann zu seinem Abschied als Bundestrainer am 12. Juli in Frankfurt/Main:
Es ist alles andere als eine einfache Entscheidung, die gereift ist über die letzten Tage. Aber eine Entscheidung, die ich treffen musste auf Grund dessen, dass ich hier den großen Wunsch habe, zu meiner Familie zurückzukehren, den großen Wunsch habe, wieder in die Normalität mit der Familie überzugehen. Und ich habe dies dem Präsidium und vor allem natürlich dem Jogi, Oliver Bierhoff und dem Andy Köpcke schon am Montag gesagt.
Ein weiterer sehr wichtiger Grund ist einfach der, dass ich im Nachspann jetzt zu diesen zwei Jahren Arbeit, diese gesamte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft und auch dann natürlich mit dem Turnier sehr viel Kraft gelassen habe und mich jetzt im Moment absolut nicht im Stande fühle, diese Arbeit mit der gleichen Energie und mit der gleichen Power weiterführen zu können.
Ich hab das Gefühl, innen einfach ausgebrannt zu sein und habe vor, mir jetzt absolut erstmal ein halbes Jahr Urlaub zu gönnen. Ich werde in keinster Weise irgendetwas anderes annehmen. Die große Bitte, die bei mir bestanden hat, als ich zu dem Entschluss kam, war einfach die, dass man diese Spielphilosophie, die wir aufgebaut haben, diese Spielkultur, von der wir schon seit zwei Jahren immer intensiv gesprochen haben, dass die weitergeführt wird. Dass die sogar noch mehr ausgebaut wird, dass sie noch mehr Leben bekommt und deswegen bin ich unglaublich froh, dass der DFB das auch genauso sieht.
.....dass sie sich bekannt haben zu dieser Philosophie, die wir entwickelt haben und deswegen auch die einzige sinnvolle und logische Schlussfolgerung aufgegriffen haben, den Jogi Löw zu bitten, das Amt als Bundestrainer zu übernehmen und die Mannschaft weiterzuführen. Eine Mannschaft, die charakterlich so top ist, die sensationell diesen Wettbewerb gespielt hat. Die aber auch so gewachsen ist, dass sie auch reif genug ist, jetzt den nächsten Schritt zu gehen. Durch eine schwere Qualifikation gehen zu können auf die Europameisterschaft hin in der Schweiz und in Österreich. Und in der noch viel, viel mehr drinsteckt und deswegen bin ich sehr glücklich auch, dass Jogi diese Aufgabe annimmt, dass er sie anpackt und bin tausend Prozent davon überzeugt, dass er das mit allerhöchster Qualität machen wird wie er schon die letzten zwei Jahre hier gearbeitet hat.
.... Jogi Löw war für mich nie ein Assistenztrainer. Und das habe ich ihm auch am ersten Tag gesagt, als ich ihn angerufen habe, ob er nicht an meiner Seite die Nationalmannschaft übernehmen will. Jogi war immer ein Partner, ein fester Partner und hatte eigene Aufgabenbereiche bei der Mannschaft, die er selbstständig geleitet hat. Ob das der Trainingsinhalt war, ob das die Trainingsumsetzung auf dem Platz war, ob es Videoanalysen, Videomeetings mit den Spielern waren, alles das hat er ohnehin alleine geführt. Also ich war eher ein Trainer in der Funktion der, ja, vielleicht eine Art Supervisor in dem Sinne, der halt immer geschaut hat, dass ein Rad in das andere greift, dass alles funktioniert.
Aber die eigentliche Arbeit hat er ohnehin schon verrichtet. Ich möchte einfach an der Stelle euch allen sehr, sehr herzlich danken für zwei fantastische Jahre, für eine ganz, ganz aufregende Zeit, spannende Zeit, die ich erleben durfte. Ich möchte jedem einzelnen Spieler, und ich habe nicht alle erreicht gestern Abend, ich werde sie jetzt über die nächsten Tage noch abtelefonieren, danken für das, was sie da geleistet haben. Und sie wissen sehr wohl, dass noch viel kommen wird in ihrer Karriere und da werden sie auch drauf aufbauen. Ich möchte dem DFB herzlichen Dank sagen für die phänomenale Unterstützung in diesem Projekt 2006, wo wir immer wieder an Grenzen gestoßen sind. Und wir sind über die Grenzen hinaus gegangen.
Ich möchte Gerhard Mayer-Vorfelder (....) herzlichen Dank sagen. Weil er immer da war, als es auch nicht so gut war und nicht so schön war. Vor allem letztes Jahr als er mit am Grab von meinem Vater mit dabei stand. Ich glaub, das ist genug.
Wie gesagt: ich möchte euch allen recht, recht herzlich danken. Vor allem den Fans, fantastischen Fans, die uns überhaupt zu diesem Erfolg gepusht haben. Die das möglich gemacht haben, dass wir eine Weltmeisterschaft erleben durften, die seinesgleichen sucht. Dass es ist die wohl schönste WM aller Zeiten geworden ist .... und wir jetzt ein ganz anderes Bild in aller Welt haben, als wir noch vor der WM hatten.
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