Frankfurt/Main - Als sich die schwarze Limousine aus Stuttgart ihren Weg im Blitzlichtgewitter durch ein Spalier von zwei Dutzend Fernseh-Kameras bahnt, hat der kurzfristige Ausnahmezustand vor der DFB-Zentrale seinen Höhepunkt erreicht. Am Steuer sitzt Jürgen Klinsmann.
Noch-Assistent Joachim Löw an seiner Seite. Es ist 10.29 Uhr. Gut eine Stunde vor der letzten Pressekonferenz, die der 41-jährige Klinsmann nach seinem in der Nacht zum 12. Juli bekannt gewordenen Rücktritt als Chefcoach der Nationalmannschaft geben wird.
Ein wenig blass wirkt der Bundestrainer mit dem 46-jährigen Löw im Gefolge vor diesem die ganze Nation, selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel, bewegenden Schritt. Die schwüle Luft und der gewitterträchtige Himmel über Frankfurt drücken die Stimmung.
Hallo, gehts gut?, ruft Weltbürger Klinsmann in die fragenden Gesichter. Am Eingang der DFB-Zentrale ist kaum ein Durchkommen. Das Lächeln auf den Lippen von Klinsmann und Löw bei der kurzen Begegnung mit Kritikern und Claqeuren kann die Verkrampfung nicht lösen.
Im Foyer der DFB-Hallen verschwinden die beiden in den ersten Stock zu letzten Formalitäten des über Nacht festgezurrten Wechsels an der Spitze der Fußball-Nationalmannschaft. Pünktlich um 11.30 Uhr setzt sich dann der Einmarsch zur Pressekonferenz wie ein Prozessionszug in Bewegung. Vorne weg der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, der noch in der Nacht seine Begleiter zusammengetrommelt hatte, um den Vertrag mit Löw in trockene Tücher zu packen. Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, Manager Oliver Bierhoff und Schatzmeister Heinrich Schmidhuber folgen im Tross.
Spätestens, als Klinsmann mit bewegenden Worten seinem Mentor Mayer-Vorfelder dankt, der ihm auch in den schweren Stunden bei der Beerdigung seines Vaters zur Seite stand, hat Klinsmann seine Fassung verloren. Der Abschied, den er schon seit der 0:2-Niederlage im Halbfinale gegen Italien spürte, geht dem Global Player aus Kalifornien näher als ihm lieb ist. Mit einem geschulterten Rucksack, aus dem zwei Fußbälle für seine beiden Kinder gucken, macht sich der gelernte Bäcker aus Stuttgart auf den Weg in eine unbekannte Zukunft: Ich mache ein halbes Jahr Pause. Wir bleiben vorerst in Europa. Die DFB-Ära Klinsmann ist zu Ende.
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