Kaiserslautern - Spaniens Reservisten haben beim Schaulaufen gegen Saudi-Arabien nur eine Stunde lang die Muskeln spielen lassen. Trotz einer Komplett-Rotation dominierte der Mitfavorit die Partie und gewann durch Juanitos Kopfballtreffer in der 36. Minute mit 1:0 (1:0).
Allerdings verspielten die Iberer vor den Augen von König Juan Carlos durch eine mangelhafte Chancenverwertung und eine gegen Spielende immer lustlosere Vorstellung nicht nur einen höheren Sieg, sondern auch die Sympathien der 46 000 Zuschauer im ausverkauften Fritz-Walter- Stadion: Die Mannschaft wurden mit lautstarken Pfiffen verabschiedet.
In der zweiten Halbzeit sind wir regelrecht eingebrochen, sagte Trainer Luis Aragones und fügte spöttisch hinzu: Wenn Du beim Fußball einschläfst, klaut man Dir die Unterhose. Dennoch sieht er in seinem Team weiterhin viel Potenzial. Wir haben den Traum, wie alle anderen Mannschaften auch, den Titel zu gewinnen. Dafür müssen wir uns aber verbessern und daran werden wir arbeiten. Durch den Erfolg sicherte sich Spanien den ersten Platz in der Gruppe H und trifft nun am 27. Juni in Hannover auf Frankreich.
Eine Minute vor Spielende wäre die spanische Nachlässigkeit allerdings beinahe noch bestraft worden: Saudi-Arabiens Saad Al Harthi vergab aus zehn Metern freistehend die Chance zum Ausgleich. Wir haben gekämpft, um wenigstens ein Remis zu erreichen. Am Ende hat uns aber das Glück gefehlt, sagte Trainer Marcos Paquetá.
Aragones machte seine Ankündigung wahr, die Startformation nach der perfekten Achtelfinal-Qualifikation komplett umzukrempeln und den Spielern aus der zweiten Reihe Spielpraxis zu geben. Die Spanier kontrollierten das Spiel sofort, auch wenn sie es weit weniger stürmisch angehen ließen als beim 4:0 gegen die Ukraine. So dauerte es bis zu den ersten Chancen eine gute Viertelstunde. Dann schoss zunächst Joaquin von der Strafraumgrenze knapp über das Tor (16.), wenig später scheiterte Reyes in aussichtsreicher Position mit seinen schwächeren linken Fuß an Torwart Mabrouk Zaid (17.).
Nach einer wunderbaren Kombination im Strafraum durfte dann David Albelda sein Glück versuchen, doch auch er fand in Zaid seinen Meister (28.). Umso verdienter war der Führungstreffer durch Juanitos wuchtigen Kopfball. Die Vorarbeit dazu lieferte Raul mit einem präzise getretenen Freistoß. Der etatmäßige Kapitän, der zuletzt nicht zu den Stammspielern gehörte, trug zum ersten Mal bei der WM die Binde. Nach einer insgesamt unauffälligen Vorstellung räumte er aber wie zuvor abgesprochen schon zur Halbzeit wieder seinen Platz.
Die Saudis dokumentierten zunächst nur mit ihrer Aufstellung, dass sie ihre Minimal-Chance auf die Achtelfinal-Qualifikation suchen wollten: Zum ersten Mal im Turnier spielten sie mit zwei Angreifern. Doch es dauerte bis zur 40. Minute, ehe sich mit Sami Al-Jaber zum ersten Mal ein Angreifer dem spanischen Tor gefährlich näherte. Er schob den Ball aber überhastet Torhüter Santiago Canizares in die Arme. Erst gegen die immer stärker nachlassenden Spanier kamen die Saudis zu Chancen, von denen Al Harthi die beste vergab. Dennoch verabschiedete sich das Team würdevoll vom Turnier. Wir fahren mit wunderbaren Erinnerungen nach Hause, resümierte Paquetá.
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