Berlin/Mannheim - Die Bierwerbung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und seiner Nationalspieler ist nach Meinung eines Suchtexperten verantwortungslos.
Die allgegenwärtige Alkoholwerbung während der Fußball-WM setze für Kinder und Jugendliche ein völlig falsches Zeichen, sagte der Mannheimer Suchtforscher Falk Kiefer in einem dpa-Gespräch. Heranwachsenden wird vermittelt, dass Fußball und Biertrinken zusammengehören. Das ist schade und gefährlich, sagte der Professor.
Ich halte es für verantwortungslos, dass der DFB, der eine Keine Macht den Drogen-Kampagne fährt, sich mit Team-Manager Oliver Bierhoff und den Nationalspielern für Bierwerbung hergibt und damit sein positives Image der Alkohol-Lobby zur Verfügung stellt, sagte Kiefer. Alkohol sei wie Nikotin eine Substanz mit hohem Suchtpotenzial.
Über zwei Millionen Menschen könnten in Deutschland ohne Bier, Wein oder Schnaps nicht mehr leben. Der Alkoholismus kostet uns 20 Milliarden Euro an Folgeschäden pro Jahr, betonte der Leitende Oberarzt in der Suchtklinik am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.
Weniger Sorgen als die Werbung bereiten dem Suchtforscher nach eigenen Angaben die Jubelchöre der Bierbrauer über Rekordabsätze. Wer seinen erhöhten Bierkonsum auf die fünf Wochen während der WM beschränke, werde nicht gleich abhängig, sagte Kiefer. Eine Alkoholabhängigkeit entwickele sich in der Regel über einen Zeitraum von Jahren. Das künstlich erzeugte Hochgefühl habe aber andere negative Folgen. In jedem Vollrausch sterben Hirnzellen ab. Außerdem werden Magen, Leber und Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt, sagte der Wissenschaftler.
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