Berlin - Der Dank für den Achtelfinal-Einzug von höchster Stelle ließ trotz einer erbärmlichen Leistung der ukrainischen Nationalmannschaft beim 1:0-Sieg gegen Tunesien nicht lange auf sich warten.
Im Namen von Millionen ukrainischer Fans danke ich den Spielern für ihre historische Leistung, schrieb Präsident Viktor Juschtschenko nach dem Achtelfinal-Einzug des WM-Neulings in einem Telegramm an Trainer Oleg Blochin.
Selbst der unansehnliche Erfolg über Tunesien versetzte die Fans in der Heimat in Verzückung, die Zeitung Sehodnia titelte: Karthago ist gefallen. Berlin ist erobert. Die WM geht weiter. Allerdings gestand das Blatt auch ein: Wir sind unter den letzten 16 - aber nicht überzeugend. Im Achtelfinale gegen die Schweiz dürfte ohne eine erhebliche Steigerung Endstation für das letzte im Turnier verbliebene osteuropäische Team sein.
Doch zunächst wurde gefeiert, daheim in Kiew waren noch am Morgen nach dem Tunesien-Spiel Fans in den Nationalfarben gelb und blau unterwegs. Ich weiß, dass bei uns zu Hause alle völlig aus dem Häuschen sind, denn das ist ein großartiger Moment für die gesamte Ukraine, sagte Stürmer Andrej Woronin. Wir haben unser Ziel erreicht, das war das Wichtigste. Jetzt wollen wir so weit wie möglich kommen. Der Leverkusener entschuldigte sich aber auch für den dürftigen Auftritt: Tut mir Leid, hoffentlich wird das nächste Spiel besser.
Woronin hofft, dass der im Berliner Olympiastadion allgegenwärtige Druck nun gewichen ist. Das angepeilte Überstehen der Vorrunde geriet nach dem blamablen 0:4-Auftakt gegen Spanien zur Zitterpartie. Das Team brachte Blochin am Spielfeldrand phasenweise zur Verzweiflung: Der Coach schimpfte lautstark und schleuderte eine Trinkflasche mit Vehemenz auf den Boden. Fans daheim in Kiew forderten vor den Großleinwänden ironisch, der einstige Weltklasse-Linksaußen solle sich selbst für Andrej Schewtschenko einwechseln. Blochin war 1986 noch dabei, als die Sowjetunion letztmalig ins Achtelfinale einzog. Keinem der 15 Nachfolgestaaten war dies danach gelungen.
Der weiter nicht in Bestform befindliche Superstar war nur durch den von ihm geschundenen Elfmeter aufgefallen, den er persönlich verwandelte (70.). Schewtschenko gab zu: Natürlich war es kein tolles Spiel. Das lag hauptsächlich an dem gewaltigen Druck, der auf uns lastete. Wir wollten vor allem nicht verlieren. Blochin sparte bei aller Freude erneut nicht mit Kritik. Wir haben in Überzahl aufgehört, Fußball zu spielen. Es gab Disziplinlosigkeiten auf dem Platz, die für eine große Mannschaft unentschuldbar sind. Jeder hat nur gerechnet und nicht gespielt.
Immerhin lockerte Blochin nach dem erlösenden Sieg die bisherige Abschottung seines Teams und genehmigte sechs Spielern den Besuch des Kosakenmarktes in Potsdams Zentrum. Dort bejubelten Dutzende ukrainischer Fans ihre Idole. Blochin selbst war entgegen anders lautenden Ankündigungen aber ebenso fern geblieben wie seine Starspieler. Stattdessen kamen unter anderen Andrej Russol und Wjatscheslaw Swiderski, die nach der jeweils zweiten Gelben Karte gegen die Schweiz pausieren müssen und Blochin zu einem erneuten Umbau der Abwehr zwingen.
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