München - Die Hoffnung stirbt zuletzt. Stefan Göbel hat sich ein kleines Pappschild gemalt: Suche Tickets. Nun steht der 46-Jährige vier Stunden vor Beginn des Achtelfinales Deutschland-Schweden mit seinem Sohn Vincent (14) am U-Bahn-Ausgang vor der WM- Arena.
Wir haben alles probiert: Internet, Tauschbörse, DFB-Fanclub. Doch wie so viele hat er keines der begehrten WM-Tickets ergattert. Nun ist Göbel bereit, bis zu 300 Euro je Eintrittskarte hinzublättern. Von Schwarzmarkthändlern werden Göbel reichlich Karten angeboten, doch die sollen jetzt noch 800 Euro kosten. Zu viel für den Düsseldorfer, der den München-Trip wenigstens noch mit einem Besuch bei seinem Bruder verbunden hat - so ist nicht alles umsonst.
Mit der umstrittenen Ticket-Personalisierung und Kontrollen hatte die FIFA den Schwarzmarkt bei der WM eigentlich unterbinden wollen. Der Verband betont auch, dass es bisher keine größeren Probleme gebe. Tickets werden aber genug angeboten, sagt Lars Müller. Der 32-jährige Fahrlehrer aus der Nähe von Augsburg will ein Ticket für einen Freund erwerben, damit der ihn ins Stadion begleiten kann. Das ist hier teilweise hoch professionell organisiert, das ist eine richtige Mafia. Eine Woche zuvor seien ihm sogar Karten aus dem Kontingent des afghanischen Fußballverbandes angeboten worden. Keine Ahnung, ob es den wirklich gibt.
Manchmal geraten die obskuren Tickethändler aber auch an die falschen Kunden: So bot ein kanadisch-japanisches Pärchen einer Zivilstreife der Münchner Polizei fünf WM-Karten zu Wucherpreisen an. Bei der anschließenden Kontrolle fanden die Beamten bei den beiden 69 weitere WM-Tickets.
Frank Robaczek ist eigens aus Gelsenkirchen angereist, um das Achtelfinale in München zu sehen. Der 41-jährige Arbeitslose hofft auf ein Tauschgeschäft: Er hat Karten für das Spiel um den dritten Platz und würde sie nun gegen das Schweden-Spiel tauschen. Doch bisher haben sich nur Verkäufer bei ihm gemeldet. Die wollen 800 bis 1000 Euro. Er kritisiert, dass zu viele Tickets bei Sponsoren und der FIFA gelandet seien. Die FIFA macht viel kaputt, und der wahre Fußball bleibt auf der Strecke.
Viele Fans ohne Karten hoffen, dass die Tickets direkt vor Anpfiff günstiger werden. In Dortmund haben wir für das Spiel gegen Polen 250 Euro je Karte gezahlt, sagt Axel Rischen. Der 38-jährige Ingenieur aus Düsseldorf hofft gemeinsam mit Freundin Andrea Kotthaus auf Tickets. Zur Not gehen wir halt ins Olympiastadion zur Fanmeile, sagt die 35-jährige kaufmännische Angestellte. Denn jeden Preis ist den Fans das Spiel nicht wert. Für meine Jahreskarte beim FC Bayern zahle ich 250 Euro, sagt Frank Hänle (31) aus Ulm. Maximal diese 250 Euro will er auch für ein Achtelfinalticket zahlen. Das ist eigentlich eh schon Wahnsinn.
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