München - Fußball-Deutschland bleibt im WM-Rausch: Nach einem Traumstart hat die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in München mit dem hoch verdienten 2:0 (2:0)-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden ihre erste Reifeprüfung im Turnier abgelegt.
Auf dem angestrebten Weg zum Titel braucht die DFB-Elf auch Viertelfinalgegner Argentinien nicht mehr zu fürchten. Mit seinem Doppelschlag vor 66 000 Zuschauern schoss Lukas Podolski (4./12. Minute) die Gastgeber zum 15. Mal in die Runde der letzten Acht und sorgte für den höchsten deutschen Erfolg im K.o.-Spiel einer Weltmeisterschaft seit 20 Jahren.
Mit Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin-Sprechchören feierten die deutschen Fans bereits lange vor dem Schlusspfiff ihr Team, das nun mit breiter Brust in das Viertelfinale am 30. Juni (17.00 Uhr) in der Hauptstadt gehen kann. Dort kommt es zur Neuauflage der WM- Endspiele von 1986 und 1990 gegen Argentinien. Die Südamerikaner setzten sich in Leipzig gegen Mexiko mit 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung durch.
Es macht wahnsinnig Spaß mit dieser Mannschaft. Es ist fantastisch, was diese Mannschaft veranstaltet, wie einer für den anderen da ist. Wir sind absolut in der Lage, ins Halbfinale einzuziehen und auch ins Finale, freute sich Klinsmann über den fünften Sieg seines Teams nacheinander, der in einer grandiosen ersten Halbzeit sichergestellt worden war. Die Mannschaft kann noch eine ganze Menge erreichen, und ich glaube auch daran, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit sensationell gespielt. In unserer Verfassung haben wir niemanden zu fürchten, sagte Kapitän Michael Ballack. Ich bin glücklich über meine Tore, aber das ist auch meine Aufgabe als Stürmer. Miro und ich verstehen uns auf und neben dem Platz, lobte Podolski das Zusammenspiel mit seinem Nebenmann Miroslav Klose, der diesmal als Vorbereiter brillierte. Mit insgesamt drei Treffern rückte der Neu-Münchner Podolski an die zweite Stelle der WM-Torschützenliste hinter Klose vor.
Nach dem souveränen Durchmarsch in der Vorrunde hielt die deutsche Elf auch beim Start in die K.o.-Runde dem großen Erwartungsdruck stand und reihte sich mit einer begeisternden Offensiv-Leistung in den Kreis der Titelanwärter ein. In der besten ersten Halbzeit seit vielen Jahren spielte die DFB-Auswahl wie aufgezogen und imponierte mit einer bisher kaum erlebten Angriffswucht. Klose und Podolski zeigten ein blendendes Spielverständnis, dem die als defensivstark geltenden Schweden wenig entgegenzusetzen hatten. Die Skandinavier verloren zudem Abwehrspieler Teddy Lucic. Der frühere Leverkusener sah in der 35. Minute wegen Foulspiels die Gelb-Rote Karte.
Mit den wohl wichtigsten Toren seiner Karriere schraubte der Neu- Münchner Podolski seine Bilanz unter Klinsmann auf 15 Treffer in 21 Länderspielen. Fast noch wirkungsvoller war aber Nebenmann Klose, der wie seine Teamkollegen aus jeder Position den Torabschluss suchte. Dahinter waren Ballack und Torsten Frings Antreiber des Spiels.
Bis auf ein paar gelegentliche Wackler stand die Abwehr, die zum dritten Mal nacheinander zu Null spielte, sicher. Der für Robert Huth ins Deckungszentrum zurückgekehrte Christoph Metzelder bewies in seinem 25. Länderspiel viel Übersicht. Hart bestraft wurde der Dortmunder in der 53. Minute, als der brasilianische Schiedsrichter Carlos Simon seinen harmlosen Rempler gegen Henrik Larsson mit Elfmeter bestrafte. Doch der Gefoulte schoss weit über das Tor.
Arne Friedrich zeigte in der Defensive seine bisher beste Turnier- Leistung. Der Berliner verbiss sich förmlich in Schwedens Regisseur Fredrik Ljungberg, dem er kaum Spielraum gönnte. Nach 310 mehr oder weniger geruhsamen WM-Minuten hatte Jens Lehmann kurz vor der Pause seine erste Prüfung zu bestehen, als er einen Drehschuss des nach seiner Leistenzerrung genesenen Zlatan Ibrahimovic entschärfte (40.).
Bei ihrer Rückkehr an die Stätte des 4:2-Auftaktsieges gegen Costa Rica wurde die deutsche Mannschaft von einer schwarz-rot-goldenen Woge der Euphorie empfangen. Trotz der Hitze begann der Gastgeber furios und legte zum dritten Mal einen Blitzstart hin. Nach Zuspiel von Ballack setzte sich Klose auf engstem Raum gegen Olof Mellberg und Erik Edman durch und wurde erst von Torhüter Andreas Isaksson am Einschuss gehindert. Dafür war dann Podolski erfolgreich, der den Ball nach 3:53 Minuten im Nachsetzen im Tor unterbrachte.
Keine zehn Minuten später stimmten die Fans nach dem nächsten Duett des deutschen Sturmduos bereits erste Freudengesänge an. Klose zog im Strafraum drei schwedische Abwehrspieler auf sich und passte überlegt auf Podolski, der den besten deutschen Länderspiel-Start seit dem 14. November 2001 (4:1 gegen die Ukraine) perfekt machte.
Die Klinsmänner machten weiter bedingungslos Druck auf das schwedische Tor. Ballack (18.) aus 20 Metern, Klose (31.) sowie Frings und Schweinsteiger (beide 33.) mit Distanzschüssen nahmen das Gehäuse von Isaksson, der seine Mannschaft mit tollen Paraden vor weiteren Treffern bewahrte, praktisch unter Dauerbeschuss. Nach einer kurzen Verschnaufpause zog die deutsche Elf die Zügel im zweiten Durchgang noch einmal an. Bei Pfostenschüssen von Ballack (55.) und Bernd Schneider (84.) war am Ende gar ein noch höherer Sieg möglich.
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