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Fanfeste dicht: WM-Party bis tief in die Nacht | 2006-06-24


Berlin - Die Städte rappelvoll, die Fanfeste dicht: Etwa drei Millionen Menschen haben bundesweit im Glanz des deutschen 2:0- Sieges im Münchner Achtelfinale über Schweden eine weltmeisterliche Party bis in die Nacht gefeiert.

Für das nächste Megatreffen beim Fußball-Klassiker Deutschland gegen Argentinien in Berlin heißt das, wer mitfeiern will, muss früh kommen: Lange vor Anpfiff musste die Polizei aus Sicherheitsgründen wegen des beispiellosen Ansturms die WM-Meilen in München, Berlin, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Stuttgart, Gelsenkirchen und Kaiserslautern schließen.

Auch während des zweiten Achtelfinales in Leipzig, das Argentinien gegen Mexiko in der Verlängerung 2:1 gewann, gingen die Feiern ungebremst weiter und waren die Fanmeilen noch gut besucht. Im Großen und Ganzen blieb alles friedlich, nur in Stuttgart musste die Polizei mit härterer Hand gegen englische Krawallmacher vorgehen.

Beim Deutschlandspiel platzten am Nachmittag die Fanmeilen aus allen Nähten. Nach den frühen Toren von Lukas Podolski (4. und 12. Minute) auf doppelte Vorarbeit von Miroslav Klose gegen die überrumpelten Skandinavier schäumte auch die Begeisterung der Massen über. In der Münchner WM-Arena sangen Zehntausende schon nach 15 Minuten Spielzeit Oh, wie ist das schön. Gleich nach dem Schlusspfiff verwandelten Zehntausende Fans im Freudentaumel die Innenstädte in Fußgängerzonen und die Boulevards in Tanzflächen.

Selbst die Autokorsos kamen nicht mehr durch und begleiteten das Jubelfest im Schleichtempo mit Hupkonzerten. Der Kurfürstendamm in Berlin, die Leopoldstraße in München-Schwabing, die Reeperbahn auf St. Pauli - alles dicht, alles in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer getaucht.

Berlin stellte den absoluten Rekord auf. Tut mir Leid, mehr gehen einfach nicht rein, sagte ein Polizeisprecher zur Schließung des Festgeländes auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. 750 000 Menschen, noch einmal 50 000 mehr als zum letzten deutschen Vorrundenspiel gegen Ecuador in Berlin, waren schon eine Stunde vor Spielbeginn da. Nach Angaben eines Senatssprechers hielten sich im gesamten Bereich der größten WM-Partymeile Deutschlands rund eine Million Menschen auf. Die nicht mehr hineingelassenen 250 000 Fans gingen nur zögerlich, hingen an Radios und feierten an Ort und Stelle im Tiergarten einfach weiter.

In München, Berlin und anderen Städten waren die Kapazitäten erhöht und auch neue Videowände aufgestellt worden. Es half nicht lange: Im Nu waren auch diese neuen Plätze dicht an dicht von schwarz-rot-goldene Fahnen schwenkenden Menschen besetzt. In Frankfurt, wo die Veranstalter an der Main-Arena sich von den Besuchern regelrecht überrannt fühlten, wurden kurzfristig zahlreiche Kino-Säle geöffnet, um den Fans dort die Spiele zu zeigen. In Düsseldorf und anderen Metropolen drängelten sich viele Menschen vor TV-Geräten in Schaufenstern und Kaufhäusern. Immer mehr Gastwirte locken Publikum mit herausgestellten Fernsehern an.

Bei meist hochsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein war die Stimmung überall friedlich und fröhlich; viele Fans waren in Fahnen gehüllt, Männer feierten oben ohne, junge Frauen trugen teils gewagte Bikinis in ihren Landesfarben. Die Schweden feierten als tapfere Minderheit einfach mit. In Berlin malten sich die Fans beider Lager gegenseitig schwarz-rot-gold oder blau-gelb auf Wangen, Arme, Beine oder blanke Bäuche.

Auch in Stuttgart, wo sich schon Zehntausende Engländer auf ihr Sonntag-Achtelfinale gegen Ecuador unter das deutsche und schwedische Volk mischten, feierten insgesamt rund 70 000 Fans meist friedlich und ausgelassen. Allerdings gab es auch ein paar Probleme mit Krawallmachern. Die Polizei wählte vorsorglich eine härtere Gangart als bisher und hatte bereits in der Nacht zuvor etwa 120 zur Randale neigende Engländer vorsorglich aus dem Verkehr gezogen. Nach dem Deutschlandspiel hatten die Beamten dann alle Hände voll zu tun, um gereizte britische Fans von Deutschen und Schweden auf dem Schlossplatz zu trennen. Nachdem eine Gruppe von rund 300 englischen Schlachtenbummlern mit Stühlen und Flaschen geworfen hatte, wurde diese durch die Polizei eingekesselt. Rund die Hälfte der Gruppe wurde danach zügig in Gewahrsam genommen, die restlichen Randalierer sollten in der Nacht folgen.


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