Hameln - Die Grande Nation träumt nach dem Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM von der Rückkehr früherer Größe und Frankreichs Trainer Raymond Domenech vom Finale in Berlin.
Unser großes Ziel bleibt der 9. Juli, sagte der 54-Jährige, nachdem der Weltmeister von 1998 das schmachvolle Trauma des torlosen Vorrunden- Aus bei der WM vor vier Jahren in Südkorea dank des 2:0-Sieges über Togo getilgt hatte. Wir haben 2002 endgültig hinter uns gelassen, meinte Frankreichs neuer Rekord-Nationalspieler Lilian Thuram, der gegen Togo sein 117. Länderspiel bestritt.
Mit dem simplen Erfolg gegen den sieglosen WM-Neuling hat die Équipe tricolore nach dem Minimalisten-Fußball gegen die Schweiz (0:0) und Südkorea (1:1) Enttäuschung und Verdrossenheit dank der Torschützen Patrick Vieira (55.) und Thierry Henry (61.) auf einen Schlag beseitigt - und Appetit auf mehr gemacht. Nach dem kollektiven Aufatmen über den Einzug unter die letzten 16 warnte Trainer Domenech aber vor verfrühter Euphorie: Das war nur eine Etappe auf unserem weiteren Weg. Wer weit reisen will, muss einen langen Atem haben.
Domenech weiß, dass das WM-Turnier mit den do or die-Spielen erst richtig los geht und mit Spanien am 27. Juni in Hannover ein Gegner ganz anderen Kalibers wartet. Das Spanien von heute ist etwas anderes als Togo und Südkorea zusammen, schrieb die Sportzeitung LÉquipe. Ich habe großen Respekt vor den Spaniern. Sie haben eine kreative Mannschaft mit sehr guten Schützen, sind torgefährlich, technisch und taktisch auf hohem Niveau und sehr gefährlich bei Freistößen, so Domenechs Erkenntnisse über die Iberer, die alle drei Vorrundenspiele gewannen. Für Vieira ist Spanien vielleicht eine der besten Mannschaften des Turniers.
Der Mittelfeld-Motor wird nach Domenechs Einschätzung einer der ganz großen Spieler der WM werden. Der 1,92 Meter große Akteur von Juventus Turin vertrat in seinem 90. Länderspiel den gelb-gesperrten Zinédine Zidane als vorbildlicher Kapitän und war Wegbereiter zum ersten WM-Sieg der Blauen seit dem 3:0-Finaltriumph vom 12. Juli 1998 gegen Brasilien. Ich hoffe, das war die Initialzündung, dass wir bei diesem Turnier noch sehr weit kommen. Wir steigern uns von Spiel zu Spiel, meinte Vieira.
Ob er gegen Spanien die Kapitänsbinde an den wieder zur Verfügung stehenden Zidane abgeben muss, ließ der Trainer offen. Die Binde muss nicht immer der beste Spieler tragen, meinte Domenech vielsagend und gab damit einen Hinweis auf die Rückkehr des am 23. Juni 34 Jahre alt gewordenen Altstars. Nach seiner entwürdigenden Auswechslung im Südkorea-Spiel kehrt Zizou doch noch auf die WM- Bühne zurück, auf der er seinen Abschied nach 16-jähriger Karriere möglichst mit dem Weltmeistertitel feiern will.
Bei der Lösung der Z-Frage um den Problemfall Zidane steht Domenech vor einer schweren Entscheidung. Soll er das gegen Togo siegreiche Team zu Gunsten der bisher mehr als Bremskraft in Erscheinung getretenen Ikone ändern? Opfer seiner Rückkehr wären entweder der dynamische Jungstar Franck Ribéry oder der zweite Stürmer David Trezeguet. Gerade diesen hatte Zidane zur Unterstützung des bisher zwei Mal erfolgreichen WM-Torschützen Henry immer wieder gefordert. Domenech: Wir haben 23 Spieler hier, die alle spielen können. Die Entscheidung, ob Zidane spielt oder nicht, werde ich nach dem Abschlusstraining treffen.
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