Köln - Die kleine Schweiz will die Großen des Weltfußballs aufmischen. Mit Forschheit, taktischer Disziplin, funktionierenden Automatismen, viel Selbstbewusstsein und ohne Gegentor hat das eidgenössische Team als Gruppensieger souverän das WM-Achtelfinale erreicht.
Und wenn es nach Jakob Kuhn geht, ist die Deutschland-Reise der Spielgemeinschaft aus der Alpenrepublik noch nicht zu Ende: Wir haben im Süden angefangen. Wir würden gern den Norden und den Osten Deutschlands kennen lernen.
Was der väterliche Trainer der Schweizer Fußballer damit andeutet, sind für den 62-Jährigen vorerst Spielereien. Mit der Ukraine als erstem Gegner in der K.o.-Runde hat sich Kuhn bis zum Eintreffen am Spielort Köln noch gar nicht beschäftigt. Und mit den potenziellen Viertelfinal-Konkurrenten Italien und Australien erst recht nicht. Doch wir werden alles dafür tun, um noch etwas länger in Deutschland bleiben zu können, kündigte Kuhn an.
Der Coach lobt sein Team in höchsten Tönen: Es ist fantastisch, mit dieser jungen Mannschaft zu arbeiten. Sie ist mit dem Herzen dabei. So können wir etwas Großes erreichen. Was das sein kann, lässt der gewiefte Taktiker offen: Das Ziel war das Achtelfinale. Jetzt schauen wir weiter. Angst kennt Kuhn dabei vor keinem. Respekt schon. Schließlich hat die Ukraine exzellente Angreifer wie Andrej Schewtschenko und Andrej Woronin.
Wir haben brutal Angst, sagte der Schweizer Team-Kapitän Johann Vogel im Scherz. Im Ernst sagt er etwas anderes: Das Gefühl ist großartig. Wir haben in der Vorrunde sieben Punkte geholt, haben keinen Gegentreffer kassiert, sind Erster. Wir sind stolz. Wir sind die Schweiz. Da sei es egal, welche Aufgabe sich als nächste stellt. Die Ukraine, Italien, Australien: Wir freuen uns einfach auf die Spiele. Was wir erreichen wollten, haben wir erreicht. Der Traum kann beginnen. Und wenn es jetzt keinen Spaß macht, wann dann?
Spaß macht es dem 29-Jährigen vom AC Mailand schon lange. Er ist der Führungsspieler, er ist der Lenker der jungen Wilden wie Tranquillo Barnetta von Bayer Leverkusen oder Johan Djourou vom FC Arsenal. Sie stammen aus dem Nachwuchsprojekt, das vor gut zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, um den lange darbenden Schweizer Fußball wieder hoffähig zu machen. Das ist unser Erfolgsgeheimnis, sagt Vogel. Nicht nur Uhren oder Käse sind Exportschlager der Schweiz, seit geraumer Zeit sind es auch jugendliche Fußballer.
Deren Potenzial sei noch längst nicht ausgeschöpft, sagt Kuhn. Und hat dabei höchste Ansprüche: Wir wollen perfekt sein. Immer wieder gebe es Phasen, wo die Mannschaft diesem Ansinnen nahe komme. Aber wir können nicht 90 Minuten ein Feuerwerk nach dem anderen abbrennen. Das Streben nach Perfektion indes soll bleiben. Auch auf der Rundreise durch Deutschland. Sie waren in Stuttgart, in Dortmund, in Hannover und Köln. Hamburg, abermals Dortmund für das Halbfinale - und dann Berlin als mögliche Endstation einer Dienstreise: Aber bleiben wir bescheiden, sagt Kuhn.
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