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WM-Fieber steigt, Karten-Chance minimal | 2006-06-25


Berlin - Das WM-Fieber steigt und steigt, doch wer noch auf ein spontanes Live-Erlebnis im Stadion hofft, hat schlechte Karten. Fast nur noch auf Umwegen und für viel Geld sind Tickets für die K.o.-Spiele bis zum Finale zu haben.

Die Aussichten sind schlecht, sagte Jens Grittner, Sprecher des Organisationskomitees (OK). Nur bei besonderen Konstellationen, etwa wenn Ghana das Viertelfinale erreicht, gingen noch Karten in den freien Verkauf.

Für alle anderen Spiele, vor allem für die mit (potenzieller) deutscher Beteiligung, ist der offizielle Weg über den Internet- Ticketshop der FIFA reine Zeitverschwendung. Seit Tagen bietet sich dort das gleiche Bild: Eine entmutigende Wand roter Ticket-Symbole ohne einen gelben (wenige Tickets verfügbar) oder gar grünen (Tickets verfügbar) Lichtblick. Die WM ist de facto bis zum Finale ausgebucht.

Dem Fan, den es dennoch ins Stadion drängt, bieten sich drei Möglichkeiten - die aber allesamt kostspielig und nicht ohne Risiko sind: Eine Versteigerung bei eBay, große Ticketagenturen oder der gute, alte Schwarzmarkt, der bei dieser WM trotz aller Bemühungen des OKs im Vorfeld wieder zu einer festen Institution geworden ist.

Ein Schnäppchen wird man vor dem Stadion aber nur mit großem Glück machen. Denn längst ist der Schwarzhandel ein organisiertes Geschäft, bei dem Restkarten frühzeitig aufgekauft und zu einem verabredeten Marktpreis verkauft werden. Der lag bei einem Gruppenspiel der Brasilianer bei rund 500 Euro, für das deutsche Achtelfinale gegen Schweden waren schon 800 Euro fällig. Wer starke Nerven hat, wartet bis kurz vor dem Anpfiff und hofft auf sinkende Preise.

Das Risiko, am Eingang mit einer fremden Karte erwischt zu werden, ist überschaubar: Kontrollen fanden bislang nur sporadisch statt. Weniger kalkulierbar ist allerdings, ob die Karte nicht möglicherweise durch das OK gesperrt ist - etwa falls sie vorher als gestohlen gemeldet oder einer anderen Person überschrieben wurde. Dann schafft man es zwar noch durch die erste Sichtkontrolle, bei der Chipkontrolle aber leuchtet es rot, das Drehkreuz bleibt geschlossen.

Das Gleiche gilt für Tickets bei eBay, die allerdings zumeist noch ein gutes Stück teurer sind. Sofortkauf-Angebote für das deutsche Viertelfinale gegen Argentinien am Freitag in Berlin lagen am Sonntag bei 1200 Euro pro Karte, für das Finale am 9. Juli zwischen 2700 und 4200 Euro; freie Auktionen brachten ähnliche Summen hervor. Im Laufe der Woche dürften die Preise eher noch steigen. Es bleibt zudem das Risiko der Zustellung oder Übergabe.

Mit seriöser Abwicklung werben große Ticketagenturen, die sich auf den weltweiten Handel für Veranstaltungen aller Art spezialisiert haben. So hat die norwegische Firma Euroteam - die trefflicherweise ein Euro-Symbol im Logo führt - noch Karten für alle Spiele im Angebot, vermutlich aus Kontingenten von Sponsoren und nationalen Verbänden. Hier zahlt man für das Argentinien-Spiel derzeit nur 740 bis 990 Euro. Für schwache Nerven ist das allerdings auch nichts: Das Ticket kann man erst am Spieltag in Berlin abholen.

Im Sinne der Organisatoren ist das alles nicht. Es verstößt gegen unsere Grundsätze von Fairplay, sagte Grittner und warnte zudem vor unseriösen Anbietern, bei denen es nur eine Abzocke ist. Für den ehrlichen Fan bleibt so nur die vage Hoffnung auf ein Viertelfinale mit Ghana - doch die sind im Achtelfinale gegen Brasilien nur Außenseiter.


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