Leipzig - Mit einem Kraftakt hat Argentinien seine Titel-Ambitionen gewahrt und fordert nach dem 2:1 (1:1,1:1) nach Verlängerung gegen Mexiko nun Gastgeber Deutschland im Weltmeisterschafts-Viertelfinale heraus.
Dank des Traumtores von Maxi Rodriguez in der 98. Minute gewann der zweimalige WM-Champion sein Achtelfinale glücklich gegen den bärenstarken lateinamerikanischen Rivalen aus Mexiko und misst sich am 30. Juni in Berlin mit dem deutschen Team.
Vor 43 000 Zuschauern im ausverkauften Leipziger Zentralstadion hatte das Spiel furios begonnen. Hernan Crespo (10.) egalisierte für Argentinien die mexikanische Führung durch den überragenden Rafael Marquez (6.). Offiziell wurde Crespo erst am Tag nach der Partie bestätigt, da es zunächst so schien, als habe der Mexikaner Jared Borgetti ein Eigentor erzielt. Die Technische Studiengruppe der FIFA hat das Tor Crespo zugeschrieben, weil er den Ball noch abgelenkt hat, erklärte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler.
Während die Argentinier erstmals seit 1998 wieder unter den Top-Acht stehen, bedeutet für Mexiko das Achtelfinale nach 1994, 1998 und 2002 damit zum vierten Mal die Endstation bei einer WM-Endrunde.
Das war unglaublich und wirklich ein wunderschönes Tor, jubelte Matchwinner Rodriguez hinterher. Ich hatte es so nicht vor, aber ich habe den Ball gut erwischt und es hat dann gut geklappt, beschrieb der Mittelfeldakteur seinen Kunstschuss mit links in den Winkel. Dagegen war Mexikos Kapitän Marquez nach der unglücklichen Niederlage frustriert: Wir haben hart gearbeitet und wirklich alles gegeben. Wegen eines Glücksschusses sind wir leider draußen, das ist traurig.
In dem gutklassigen Match überraschte Mexiko den Favoriten mit einem erstaunlich mutigen Auftritt. Trainer Ricardo La Volpe konnte diesmal seine Bestbesetzung aufbieten und auch auf Torjäger Borgetti zurückgreifen, der seine Wadenblessur auskuriert hatte. Und dem 32-Jährigen bot sich auch gleich die erste Chance - sein abgefälschter Kopfball senkte sich auf das Tornetz (2.). Vier Minuten später machte es Marquez besser, als er einen per Kopf verlängerten Freistoß aus Nahdistanz zum überraschenden 1:0 einschoss.
Doch die Abiceleste ließ sich vom ersten Rückstand bei dieser WM nicht schocken. Postwendend bewährte sich die Maßnahme von Coach José Pekerman, die Jungstars Lionel Messi und Carlos Tevez auf die Bank zu setzen und wieder dem zuletzt geschonten Sturmduo Crespo/Saviola zu vertrauen. Denn Crespo bedrängte Borgetti beim Abwehrversuch und erzwang so das Ausgleichstor. Auch nach diesem furiosen Start setzten beide Teams den offenen Schlagabtausch fort: Crespo (18./23.) hatte danach zwei Mal die Führung auf dem Fuß, aber auch Borgetti hätte kurz darauf auf der anderen Seite treffen können (25.). Kurz vor der Pause hatte der indisponierte Gabriel Heinze Glück, als er erst patzte und dann nach der Notbremse gegen Fonseca Gelb statt Rot sah.
Auch nach dem Wiederanpfiff fanden die Argentinier nicht zu jener Souveränität zurück, die sie bei dieser WM bisher so ausgezeichnet hat. Die flinken Mexikaner hielten weiter kräftig dagegen und hatten Pech, dass Borgetti (54.) knapp am reaktionsschnellen Torwart Roberto Abbondanzieri scheiterte. Auf der Gegenseite konnte der zuvor kaum in Erscheinung getretene Saviola freistehend Keeper Oswaldo Sanchez nicht überwinden (58.). Immerhin riss Regisseur Juan Riquelme das Spiel nun mehr an sich und leitete einige gefährliche Aktionen ein.
Erst in der 75. Minute reagierte Pekerman auf das wenig effektive Spiel seines Teams. Dann setzte er allerdings gleich ein dreifaches Zeichen für die Schluss-Offensive, indem er erst Edeljoker Tevez und den spielstarken Pablo Aimar sowie später auch noch Wunderknabe Messi (83.) einwechselte. Dessen vermeintliches Siegtor (90./+3) pfiff der schwache Schiedsrichter Massimo Busacca (Schweiz) wegen Abseits fälschlicherweise zurück und ermöglichte so die Verlängerung. Erst Rodriguez drittes WM-Tor sorgte für die Erlösung der Gauchos.
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