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Wangen hilft Togo will am Ball bleiben | 2006-06-25


Wangen im Allgäu - Der WM-Trubel in Wangen im Allgäu ist vorüber, das in der Vorrunde ausgeschiedene Togo-Team packt allmählich die Koffer. Doch in dem Städtchen sollen die Gäste aus Westafrika auch nach dem großen afrikanischen Abschiedsfest so schnell nicht vergessen sein.

Dafür werden schon der Zahnarzt Igor Wetzel (38) und seine Freunde mit ihrer privaten Hilfsaktion Wangen hilft Togo sorgen. Wir müssen die WM nutzen, um auf die Probleme Togos aufmerksam zu machen, sagen sie über ihr Projekt, das sie schon Monate vor dem WM-Anpfiff begonnen hatten.

Wetzel nutzte seine Mitgliedschaft im zahnärztlichen Netzwerk Bodenseeteam und sammelte Spenden, um Togoern medizinisch zu helfen. Togos Starspieler Emmanuel Adebayor von Arsenal London hat die Schirmherrschaft übernommen, berichtet er stolz. Rund 15 000 Euro sind bisher zusammengekommen. Ein 18 Monate altes Mädchen mit einer Kiefer-Gaumenspalte wurde in Ravensburg, ein 34-jähriger Landwirt mit schwersten Brandwunden in Frankfurt/Main von Experten des Netzwerks operiert.

Das Hilfsteam will auch künftig am Ball bleiben. In den kommenden Monaten werden Mediziner nach Togo reisen, um in Zusammenarbeit mit einem in Deutschland ausgebildeten togoischen Arzt in Lomé weiteren Patienten zu helfen.

Mit im Boot sind viele in Wangen, von den Kirchen über Privatpersonen bis zu kleinen und großen Geschäftsleuten. Besonders engagiert haben sich zwei italienische Gastronomen. Giovanni Granziera, Besitzer des Eis-Cafés Pinocchio, hat den Togo- Eisbecher kreiert: 20 Prozent des Erlöses werden gespendet; außerdem unterstützt er die Familie des operierten Mädchens mit zehn Euro im Monat. Die Familie Carlucci sammelte bei einem Togo-Gala-Dinner in ihrem Restaurant Da Capo 4000 Euro.

Zu den Mitstreitern gehört auch Hannelore Kramer, die seit 25 Jahren ausländische Flüchtlinge betreut, darunter auch elf Togoer, die derzeit in Wangen leben. Während sich die Besucher bei fetzigen afrikanischen Rhythmen und Vorführungen auf der Showbühne vergnügen, steht sie hinter einem Stand vorm Rathaus, um Togo-T-Shirts und Buttons zu Gunsten der Initiative zu verkaufen. Ihr politisches Bewusstsein ist in der WM-Euphorie nicht untergegangen, aber nun sei die Zeit des Sports, sagt sie. Die Fußballer sind nicht für die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land verantwortlich.

Überrascht von der fröhlichen WM-Atmosphäre ist der Togoer Auku Gilbert (26), der vor zehn Jahren in Wangen Zuflucht fand. Alle sind so freundlich, sagt er. Und trotz der Niederlagen hätten seine Landsleute guten Fußball gespielt, versichert er. Die Menschen in unserer Stadt haben sich mächtig Mühe gegeben, meint auch Oberbürgermeister Michael Lang (parteilos). Er hofft, dass die Kontakte zu Togo nicht abreißen. Die Bevölkerung werde der Mannschaft auf jeden Fall die Daumen für die nächste WM 2010 in Südafrika die Daumen drücken, sagt er zum Abschied.


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