Leipzig - Diego Armando Maradona litt und schwitzte, seine Erben büßten ihren Angstfaktor ein und retteten sich nur dank einer weiteren göttlichen Fügung in das vorweggenommene Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Gastgeber Deutschland.
Das wird das Spiel der WM, freute sich die argentinische Fußball-Legende Maradona nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg seiner Landsleute in der Verlängerung gegen nimmermüde Mexikaner in Leipzig. Es werden sich zwei große Mannschaften, zwei Weltmeister gegenüber stehen. Ich denke, dass wir bestehen können, kündigte Argentiniens Coach José Pekerman vor der Viertelfinal-Begegnung am 30. Juni in Berlin an: Wir wissen, dass wir Spieler haben, die Champions sind.
Doch der Glanz der Gauchos nach den ersten drei Gala-Auftritten bei der WM hat Kratzer abbekommen. Gegen die aggressiv und offensiv zu Werke gehenden Mexikaner fanden die Pekermänner nie richtig ins Spiel. Erst ein Sonntagsschuss von Maxi Rodriguez brachte in der achten Minute der Verlängerung die Erlösung. Die Argentinier sollen kommen, wir haben keine Angst, verkündete Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor der Neuauflage der Endspiele von 1986 (Weltmeister Argentinien) und 1990 (Weltmeister Deutschland). Die DFB-Elf hatte mit dem souveränen 2:0 über Schweden wenige Stunden vor Argentiniens Zittersieg den Einzug in die Runde der besten Acht perfekt gemacht.
Die Argentinier wankten unterdessen zum ersten Mal gewaltig bei dieser WM-Endrunde. Es ist nicht nicht immer ganz so einfach. Man kann nicht immer brillant spielen und viele Tore schießen. Die WM ist kein Wunschkonzert, betonte Pekerman und erntete mit seinem Team Lob von den argentinischen Medien. Als es am schwierigsten wurde, zeigte sie (die argentinische Mannschaft) ihr anderes Gesicht: das der Opferbereitschaft und des Kampfgeistes. In Leipzig wurde das andere Argentinien sichtbar, das die Zähne zusammenbiss, litt und nicht gerade gut spielte, kommentierte die argentinische Zeitung Clarin. Die Mannschaft habe aber dieses heilige Feuer, mit dem man den Gegner und sich selbst überwinden kann.
Den Erlösungsschrei, der in ganz Deutschland zu hören war (La Nacion), löste Rodriguez aus. Mit seinem Bombenschuss (Olé) sorgte der Profi von Atletico Madrid für die Entscheidung. Nicht ohne die Inspiration des auf der Tribüne mitleidenden Idols. Ich habe Maxi meinen linken Fuß gereicht, Gott sei Dank hat er ihn festgehalten, schwadronierte der völlig durchgeschwitzte Maradona nach dem Abpfiff, nachdem er zuvor Kaiser Franz Beckenbauer innig umarmt und FIFA-Boss Joseph Blatter herzlich gegrüßt hatte. Nicht lange bitten ließ sich der mittlerweile dreifache WM-Torschütze und nahm die verbale Vorlage auf. Mein linker Fuß hat sich angefühlt wie der von Maradona, sagte Rodriguez mit einem Schmunzeln.
In der Fußballschlacht von Leipzig hatte Mexikos Kapitän Rafael Marquez die Mittelamerikaner nach sechs Minuten in Führung gebracht. Kurz darauf glich Hernan Crespo mit seinem 32. Länderspieltor - nun hat er nur noch zwei weniger als Maradona auf dem Konto - aus. Nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, als habe der Mexikaner Jared Borgetti ein Eigentor erzielt, schrieb die Technische Studiengruppe des Weltverbandes FIFA am Sonntag das Tor dem argentinischen Angreifer zu. Es war mein Tor, betonte Crespo selbst und stieß mit der argentinischen Delegation am Abend noch auf die Geburtstage von Regisseur Juan Román Riquelme (28) und Jungstar Lionel Messi (19) an, der nach seiner Einwechslung in einigen Szenen sein Ausnahmetalent ebenso wie der zweite Edeljoker Carlos Tevez erneut bewies.
Wir haben eine sehr starke Bank. Argentinien ist daher jederzeit in der Lage, ein Tor zu schießen, unterstrich Pekerman vor dem Giganten-Gipfel, auf den sich der gesamte 23-köpfige Kader der Lateinamerikaner nach der Rückkehr ins WM-Quartier nach Herzogenaurach mit einer leichten Lauf- und Lockerungseinheit einstimmte. Deutschland ist immer ein schwerer Gegner, das Team spielt taktisch ganz anders als Mexiko, aber das macht die Sache nicht leichter, sagte Kapitän Juan Pablo Sorin. Zuvor hatte Matchwinner Rogriguez indes das Selbstvertrauen der Argentinier offen formuliert. Argentinien ist in der Lage, jeden zu schlagen.
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