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Gauchos auf hartes Duell gefasst - Maradona-Besuch | 2006-06-28


Herzogenaurach - Dem Gruß Adiós Argentina auf einem Plakat neben dem Team-Hotel will die argentinische Nationalmannschaft auf keinen Fall nachkommen, doch vor dem WM-Knaller gegen Deutschland macht sich der zweimalige Weltmeister bereits auf eine Verlängerung gefasst.

Es wird ein sehr schwieriges Spiel werden, das kaum innerhalb von 90 Minuten entschieden sein dürfte, sagte Assistenz-Trainer Néstor Lorenzo, der bei der Niederlage der Südamerikaner im WM-Finale 1990 auch gegen Jürgen Klinsmann spielte, vor dem Viertelfinal-Kracher in Berlin. Die deutsche Mannschaft besitze eine Eigenschaft, die jede echte Meistermannschaft besitzt: Sie gibt sich nie geschlagen.

Um im Giganten-Duell aber zu bestehen, stimmte kein Geringerer als Maskottchen Diego Armando Maradona seine Erben höchstpersönlich ein. Die 45 Jahre alte Fußball-Legende tauchte überraschend weniger als 48 Stunden vor der Begegnung im WM-Quartier des zweimaligen Weltmeisters in Herzogenaurach auf. Maradona speiste mit den Spielern der Albiceleste gemeinsam zu Abend und gab ihnen die letzten Tipps für die Wiederauflage der Endspiele von 1986 mit dem Sieger Argentinien und 1990 mit dem Sieger Deutschland.

Diesmal wollen die Argentinier wieder am Ende triumphieren. Wir müssen zu hundert Prozent unser Spiel machen. Die Offensive ist dabei unsere beste Waffe, betonte Stürmer Javier Saviola bei einer Pressekonferenz nach einem Geheimtraining. Es wird ein Spiel von Beginn an mit Volldampf, versprach er: Wir wollen für unsere Familien, für unsere Fans und für unser Land dieses Spiel gewinnen.

Kein Geheimnis machte Lorenzo in einem auf der FIFA-Internetseite veröffentlichten Interview daraus, wie die Argentinier glauben, die deutsche Mannschaft schlagen zu können. Wir müssen das Spiel im Mittelfeld beherrschen, sagte der Ex-Profi. Im Gegensatz zu Mexiko sei die deutsche Elf leichter auszurechnen. Wir müssen sie dort stellen, wo wir stark sind. Und schließlich kommt der Durchschlagskraft im Angriff entscheidende Bedeutung zu. So sieht es auch Lorenzos ehemaliger Coach Carlos Bilardo: Michael Ballack oder Juan Román Riquelme würden den Rhythmus des Spiels bestimmen. Und dann muss man sehen, wer den besten Tag hat; Crespo und Saviola oder Klose und Podolski.

Zwei Tage vor dem Showdown in der Bundeshauptstadt, wohin die Argentinier am Tag vor der Begegnung mit einem Charter-Flieger von Nürnberg aus aufbrechen, machen die Südamerikaner nur noch bedingt ein Geheimnis aus ihrer Startformation. Wir sind noch in der Phase der Einschätzung, meinte Co-Trainer Hugo Tocalli. Aber es wird nicht viele Veränderungen geben. Die Jungstars Carlos Tevez und Lionel Messi signalisierten unisono ihre Bereitschaft: Wenn ich gerufen werde, bin ich bereit. Beide werden allerdings wohl mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen müssen. Es sei denn, Pekerman stellt seinen Sturm um, wobei er sicherlich nicht auf den kopfballstarken Hernan Crespo verzichten wird. Kein Spieler weiß bislang, ob er spielt, sagte Saviola 45 Stunden vor dem Match.

Jedenfalls hat auch das hochkarätige Joker-Duo die Strategie für das vorweggenommene Endspiel verinnerlicht. Wir müssen flach spielen und unser Spiel durchsetzen, sagte Tevez: Angst habe ich nicht. Auch nicht vor der neuen deutschen Welle der Begeisterung um die Schützlinge von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Soll uns doch das gesamte Stadion beleidigen. Gute Spieler beweisen genau dann, dass sie gut sind, sagte der 22-Jährige, wir dürfen uns zu keinem Moment klein reden lassen. Die Deutschen müssen zeigen, dass sie gut sind.

Verbal beweisen dies die Argentinier bereits, doch wollen sie Taten folgen lassen. Diese Mannschaft ist sehr gereift. Die Spieler stehen mit beiden Beinen auf dem Boden, sie wissen, dass es ein vorweggenommenes Endspiel ist, und werden auch dementsprechend spielen, betonte Lorenzo. Diese Burschen wissen, was ein Finale ist.

Und um nicht wieder als Verlierer dazustehen, setzt Lorenzo auch auf überirdische Hilfe. Ich hoffe, dass dieses Mal Gottes Beistand mit uns ist, sagte er. Die Spieler seien jedenfalls beseelt davon, etwas für den argentinischen Fußball zu tun. Vielleicht muss dann die Fahne mit der schwarz-rot-goldenen Aufschrift Adios Argentina und einem Smiley neben dem Team-Hotel ja in Buenos Dias Argentina geändert werden.


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