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Trotz Verwandschaft: Pekerman kein Hollywood-Star | 2006-06-29


Berlin - Er ist entfernt verwandt mit dem einstigen Hollywood-Star Gregory Peck, doch Argentiniens Chefcoach José Pekerman ist alles andere als ein Schauspieler.

Der 56-Jährige scheut die Kameras. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, wo er eine 1994 begonnene Erfolgsgeschichte mit dem Titelgewinn krönen will, stellt er sich nur bei den obligatorischen Pressekonferenzen vor und nach den Spielen den Fragen der Medien-Meute. Respektvoll und höflich, nicht ohne vor seinen ersten Ausführungen einen Guten Tag zu wünschen, steht Pekerman dann Rede und Antwort.

Dabei sind Pekermans Umgangsformen Sinnbild für die argentinische Auswahl 2006; keine Selbstdarsteller, kein Großmut, keine Querelen. Der Star ist die Mannschaft. Pekermans Credo: Ein Spieler kann noch so gut sein, aber wenn er sich nicht in die Mannschaft fügt, dann fliegt er aus dem Team.

Der zweifache Familienvater, Haustier-Liebhaber und ehemalige Taxifahrer hat seinen fußballerischen Erfolgsweg vor zwölf Jahren eingeschlagen. Damals übernahm er die U 20 des argentinischen Fußball-Verbandes AFA. Bereits 1995 kam der erste große Erfolg, als die Pekerboys den Weltmeister-Titel gewannen - angeführt von Juan Pablo Sorin, dem aktuellen Kapitän des Titelanwärters. Zwei Jahre später - unter anderem mit Juan Román Riquelme - wiederholte Pekerman den WM-Sieg, 2001 machte er das Titel-Triple perfekt. In seinem aktuellen WM-Kader vertraut Pekerman einer kompletten Mannschaft, mit der er bei den Junioren zu weltmeisterlichen Ehren kam und zudem auch jedes Mal die Fairness-Wertung gewann.

Das war durchaus ungewöhnlich, hatte sich der argentinische Fußball phasenweise doch eher durch Undiszipliniertheit und übersteigerte körperliche Robustheit ausgezeichnet. Pekerman fand den Mittelweg zwischen fußballerischer Finesse, taktischer Trickserei und kontrolliertem Körpereinsatz. Die Mannschaft trägt seine Handschrift, sagt Luis Calvano vom argentinischen Fachmagazin Olé.

Vorgänger Marcelo Bielsa habe eher einen europäisch geprägten Fußball spielen lassen. Pekerman präferiere den südamerikanischen Stil - gepaart jedoch mit der Erfahrung seiner 18 Legionäre im 23- köpfigen Kader. Pekerman gebühre ein sehr großer Anteil an der Mannschaft, betont Stürmerstar Hernán Crespo: Er ist es, der die Spieler lobt, der dieser Mannschaft vertraut.

Eigene Erfahrungen kann der Coach mit den grauen Haaren, dem oft fahlen Gesicht und dem melancholischen Blick dabei nur wenige einbringen. Pekermans Karriere endete nach Engagements bei den Argentinos Juniors und Independiente Medellín (Kolumbien) mit 28 Jahren vorzeitig - schuld war eine Verletzung.

Als Jugendtrainer bei Estudiantes Buenos Aires, Chacarita, den Argentinos Juniors und dem chilenischen Club Colo Colo legte Pekerman den Grundstein für sein aktuelles Engagement, das 2004 sowohl von Weltmeister-Coach Cesar Luis Menotti als auch von Diego Armando Maradona öffentlich in Frage gestellt worden war. Wer ist Pekerman?, laute damals Menottis provokative Frage. Ein entfernter Verwandter von Gregory Peck - ihre Urgroßväter waren Brüder - wäre eine Antwort. Doch am liebsten wäre Pekerman nach dem 9. Juli der Weltmeister-Trainer 2006.


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