Berlin - Ein zur Legende gewordener Fußball-Krimi gegen England, aber auch viel Kampf und Krampf und drei Niederlagen.
Die bisher elf deutschen Viertelfinal-Spiele bei Weltmeisterschaften waren nicht immer ein Leckerbissen, 1962, 1994 und 1998 bedeutete die Runde der letzten Acht sogar das Ende aller Titelträume.
Unvergessen ist das Viertelfinale gegen England am 14. Juni 1970 im mexikanischen Leon, in dem sich die deutsche Mannschaft eindrucksvoll für die vier Jahre zuvor erlittene Final-Niederlage revanchierte. Nach einem 0:2-Rückstand durch Alan Mullery und Martin Peters in brütender Mittagshitze sorgten Franz Beckenbauer und Uwe Seeler mit dem Hinterkopf bis zum Ende der regulären Spielzeit für den Gleichstand, ehe Gerd Müller das Team um Bobby Charlton mit dem 3:2 in der 108. Minute zurück auf die Insel schickte.
Schon eher ein Spiegelbild der bisherigen deutschen Viertelfinals war dagegen die Partie vor vier Jahren im südkoreanischen Ulsan gegen die USA. Im Duell gegen die überlegenen Amerikaner wurde das Team von Rudi Völler allein durch die Paraden von Oliver Kahn in dessen 50. Länderspiel vor einem Rückstand bewahrt und durfte sich durch Michael Ballacks Kopfball-Tor am Ende über einen glücklichen 1:0-Sieg freuen.
Bei den beiden vorausgegangenen Turnieren war Fortuna nicht mit den Deutschen im Bunde. 1994 in den USA schien Bulgarien nach Lothar Matthäus Elfmeter-Treffer bereits besiegt, als Hristo Stoitschkows Freistoß und Jordan Letschkows Kopfball zum 1:2 die Elf von Berti Vogts binnen drei Minuten aus allen Halbfinal-Träumen rissen. Vier Jahre später in Frankreich leitete der Platzverweis von Christian Wörns kurz vor der Halbzeit das 0:3-Debakel gegen Kroatien ein.
Ihr erstes Viertelfinale auf der WM-Bühne absolvierte eine deutsche Mannschaft am 31. Mai 1934 in Mailand. Dank zweier Tore des Düsseldorfers Karl Hohmann sprang ein 2:1-Sieg gegen Schweden heraus. 20 Jahre später begann die deutsche Trilogie gegen Jugoslawien. Beim 2:0 auf dem Weg zum Wunder von Bern zeichnete sich ebenso wie vier Jahre später beim 1:0 in Schweden Helmut Rahn als Torschütze aus. Die Serie gegen die Jugos endete am 10. Juni 1962 in Santiago de Chile, als Petar Radakovic Torhüter Wolfgang Fahrian in der 86. Minute zum 1:0 überwand. Für Sepp Herbergers Mannschaft hieß es Koffer packen.
Vier Jahre später in Birmingham gelang mit dem 4:0 gegen Uruguay durch Tore von Helmut Haller (2), Beckenbauer und Uwe Seeler der höchste Viertelfinal-Sieg. Nach Platzverweisen gegen Horacio Troche, der Uns Uwe beim Verlassen des Rasens eine Ohrfeige verpasste, und Hector Silva hatte die deutsche Mannschaft leichtes Spiel gehabt.
Nach der Einführung einer WM-Zwischenrunde bei den drei Turnieren von 1974 an stand erst 1986 wieder ein echtes Viertelfinale an, in dem ausgerechnet im Glutofen Monterrey Gastgeber Mexiko der Gegner war. Nach wenig ansehnlichen wie torlosen 120 Minuten und einer Roten Karte gegen Thomas Berthold musste erstmals ein Elfmeterschießen über den Sieger entscheiden. Mit zwei gehaltenen Bällen legte Harald Schumacher den Grundstein zum glücklichen Weiterkommen.
Dass selbst ein schlechtes Viertelfinale kein böses Omen für den weiteren Turnier-Verlauf sein muss, bewies die Mannschaft 1990. Beim Titelgewinn in Italien lieferte das Team beim 1:0-Sieg in Mailand gegen die CSSR durch Matthäus Elfmeter-Treffer eine Leistung ab, die Franz Beckenbauer am Spielfeldrand zu Wutausbrüchen trieb. Eine Woche später hielten Rudi Völler und Co. in Rom den Worldcup in Händen.
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