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Köhler und Künast einig: Freudenstimmung positiv | 2006-06-18


Berlin - In der Debatte um Schwarz-Rot-Gold scheinen sie sich einig: Bundespräsident Horst Köhler hat die neue Freude der Deutschen an ihrer Nationalfahne begrüßt und die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, wertet die WM-Begeisterung als positiv.

Der lockere Umgang mit Schwarz-Rot-Gold während der Fußball-WM sei Hinweis darauf, dass sich das Land weiter normalisiert, dass man jetzt unverkrampfter auf seine eigene Nationalfahne zeigt und sich mit ihr schmückt, sagte Köhler im Deutschlandfunk.

Der Bundespräsident sieht nach seinen Worten auch einen Zusammenhang zwischen Internationalisierung und Globalisierung einerseits und dem Bedürfnis nach Traditionen andererseits. Die Menschen wollten wissen, wo ihre Heimat ist, wo sie sich identifizieren können mit Traditionen, mit kulturellen Gebräuchen. Und das ist etwas ganz Normales, meinte Köhler. Auch die Nachbarn würden sich überhaupt nicht mehr wundern, dass Deutsche mit der Nationalfahne zum Fußballspiel gehen.

Den bisherigen Verlauf der Fußball-WM bewertet Köhler positiv. Insgesamt habe ich eigentlich ein gutes Gefühl, weil es sich eben zeigt, dass die Deutschen gastfreundlich sind, dass sie zum Beispiel der Mannschaft aus Togo mit der gleichen Freundlichkeit und Fröhlichkeit entgegen gehen wir der Mannschaft aus England oder den Vereinigten Staaten.

Ganz Deutschland jubelt schwarzrotgold - und Freunde aus aller Welt feiern fröhlich mit, schreibt Künast in einem Beitrag für die Bild am Sonntag. Die WM sei ein Fest der Farben, der Nationen, der Menschen, und Schwarzrotgold ist unser Ausweis als Gastgeber: Kommt her, wir zeigen euch, wie schön Deutschland sein kann, schreibt Künast.

Gleichzeitig bezeichnete sie die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte als Voraussetzung für die Begeisterung. Jetzt erscheint uns das alles so normal, macht viel Spaß und ist ganz ohne Krampf. Wir verdanken das gerade auch unserer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei dafür ein Symbol. Deshalb könnten die Deutschen entspannt mit Freunden aus allen Teilen der Welt feiern. So schwenkt das ganze Land mit demokratischer Leichtigkeit die schwarzrotgoldenen Fahnen - ohne dass daraus Nationalismus wächst, ohne dass daraus ein Vorwurf entsteht. Das ist faszinierend!

Auch der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zeigte sich von der neuen patriotischen Stimmung in Deutschland begeistert. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte Lehmann, er freue sich über das Bekenntnis vieler Menschen zu unserem Land. Der Schriftsteller Walter Jens meinte im dpa-Gespräch, was ihn am meisten fasziniere sei das unfanatische und völlig unverkrampfte Verhalten.

Aber längst nicht alle fühlen sich patriotisch beschwingt. Die Fußball-WM hat das Nationalgefühl vieler Deutschen zwar bestärkt, eine Mehrheit aber davon unbeeindruckt gelassen. In einer Repräsentativ-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus äußerten 43 Prozent der Befragten, die WM habe ihr Nationalgefühl positiv beeinflusst. 54 Prozent sehen dagegen ihr Nationalgefühl gar nicht beeinflusst. Das Institut Polis/USUMA hatte 1006 Deutsche befragt.


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