Gelsenkirchen - Sieben Hundertschaften der Polizei, Helfer im Umfeld des Stadions, mehr als 60 Verbindungsbeamte aus Polen und verschärfte Kontrollen an der Grenze:
Die Sicherheitskräfte hatten sich vor dem ersten Auftritt der polnischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM für mögliche Zwischenfälle vorbereitet. Doch die Sorge erwies sich als unnötig. Die polnischen Fans, mit Sonderzügen und Bussen zu zehntausenden angereist, blieben in Gelsenkirchen friedlich - und zeigten sich auch als faire Verlierer.
Es sollte kein Durchkommen geben für Hooligans aus dem Nachbarland, die den Auftritt ihres Teams als Vorwand für Krawall nehmen oder sich gar unter erwartete deutsche Neonazis bei einem Aufmarsch in der Ruhrgebietsstadt mischen wollten. Frühere Nachrichten aus Polen, als hunderte Gewalttäter sich in den Straßen von Warschau Schlachten mit der Polizei lieferten, sind noch frisch.
Doch in Gelsenkirchen feierten die polnischen Fans schon Stunden vor dem Spiel fröhlich und friedlich. Und nach der 0:2-Niederlage ihrer Mannschaft tauschten sie mit Fans des Siegers aus Ecuador Trikots. Wir sind hier, um Fußball zu sehen, sagte der 23 Jahre alte Franz aus Krakau. In der Schalker Glückauf-Kampfbahn hatte er sich zusammen mit seinen Freunden beim Fan-Fest auf das Spiel eingestimmt und gemeinsam mit Deutschen, Ecuadorianern und Fans aus Puerto Rico auf das Turnier angestoßen.
Das ist schon in Ordnung, sagte Tomas (26), als er sich durch die strikten Sicherheitskontrollen am Eingang zum Gelsenkirchener WM-Stadion gequält hatte. Er musste seinen Rucksack ausräumen, sich abtasten lassen, sogar seine ausladende Mütze in den Landesfarben weiß und rot abnehmen. Das dient meiner Sicherheit und auch der aller anderen, sagte der junge Mann. Er war eigens aus seiner Wahlheimat Chicago für die Weltmeisterschaft nach Deutschland gekommen. Als Einwohner der USA ist er rigide Sicherheitschecks gewohnt.
Es ist alles friedlich geblieben, sagte ein Polizeisprecher in Gelsenkirchen. Wenn der Rest der Weltmeisterschaft so verläuft wie der Auftakt, wenn die Menschen miteinander feiern und sich Aggressivität nicht breit machen kann, dann werden wir die erhoffte schöne Weltmeisterschaft erleben und genießen, ergänzte einer seiner Kollegen aus Münster. Der erste Akt ist aus Sicht der Polizei gut über die Bühne gegangen.
Mit der Partie der Polen gegen Gastgeber Deutschland in Dortmund steht die nächste Nagelprobe schon bevor. Noch ist nicht sicher, ob es nicht doch gewaltbereiten Hooligans aus Polen gelungen sein könnte, nach Deutschland zu kommen. Anders als etwa in Großbritannien haben die polnischen Behörden keine Gesetzesgrundlage dafür, auffällig gewordenen Straftätern die Ausreise zu verweigern.
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