Stuttgart - Dank Kunstschütze David Beckham darf England weiter vom ersten WM-Titel seit 40 Jahren träumen. Der Mannschaftskapitän zirkelte im WM-Achtelfinale gegen Ecuador in der 60. Minute einen Freistoß aus rund 25 Metern zum 1:0 (0:0)-Siegtreffer ins Netz.
Der zuletzt auch von Trainer Sven-Göran Eriksson kritisierte Beckham verhinderte mit dem Treffer eine Blamage gegen den WM-Neuling. Sein 17. Länderspiel-Tor war zugleich der einzige Lichtblick in einer äußerst enttäuschenden Vorstellung vor 52 000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart.
Im Viertelfinale trifft der Weltmeister von 1966 am 1. Juli in Gelsenkirchen auf Portugal, das die Niederlande in Nürnberg 1:0 (1:0) besiegte. Um dort zu bestehen, müssen sich die Engländer aber um 100 Prozent steigern. So enttäuschend war ihre von brütender Hitze beeinträchtigte Leistung, dass der frühere deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg zur Pause von einem Grotten-Kick sprach. Die rund 35 000 englischen Anhänger sangen immer wieder die Nationalhymne als Aufmunterung für ihre müden, oft im Zeitlupentempo agierenden Kicker.
Das ist die englische Mentalität. Wir wollen es nicht einfach haben, wenn es auch schwierig geht, sagte Beckham. Wir glauben an uns, die Fans glauben an uns. Wir wissen, dass wir es besser können. Eriksson pflichtete dem Torschützen bei. Wir steigern uns von Spiel zu Spiel. Ecuador machte uns das Leben schwer, aber das erwarte ich auch in einem Achtelfinale. Die erste Hälfte war okay, die zweite wurde besser. Das war ein guter Test für unsere Fitness, sagte er. Erikssons Trainerkollege Luis Fernando Suárez meinte: Das war ein schwieriges Spiel, von der Taktik bestimmt. Keine der Mannschaften hatte viele Chancen. Für uns war es trotzdem eine gute WM.
Den favorisierten Engländern waren erst nach dem Führungstor einige Kombinationen gelungen, die das Tor der tapferen Ecuadorianer in Gefahr brachten. Diese vergaben ihre beste Möglichkeit bereits nach zehn Minuten, als Carlos Tenorio nach einer verunglückten Kopfball-Rückgabe von John Terry plötzlich frei vor dem Tor der Engländer auftauchte. Doch Ashley Cole lenkte in seinem 50. Länderspiel den Schuss des 27 Jahre alten Angreifers gerade noch mit dem Knie an die Latte. Dies war möglicherweise die entscheidende Situation der Partie, die auch nach der Pause bei mehr als 30 Grad auf dem Platz nie dem Anspruch eines Achtelfinal-Spiels gerecht wurde. Die Engländer sind eigentlich enttäuschend, hatte der deutsche Assistenztrainer Joachim Löw zur Halbzeit gesagt.
Nach dem WM-Aus für Michael Owen wegen eines Kreuzbandrisses hatte Eriksson in Wayne Rooney nur eine Sturmspitze aufgeboten, die jedoch auf sich allein gestellt war und keine Gefahr entwickelte. Die Engländer agierten völlig ideenlos und knüpften an die schwache zweite Halbzeit vom letzten Vorrunden-Spiel gegen Schweden (2:2) an. Das Team von der Insel probierte es immer wieder mit langen hohen Bällen aus der Abwehr, doch die Hintermannschaft der Ecuadorianer ließ fast keine Torchance zu. Lediglich Frank Lampard mit einem Distanzschuss (28.) und Beckham (35.) mit einem Freistoß sorgten vor der Pause für ein klein wenig Gefahr für Cristian Mora. Ansonsten war der Schlussmann der Südamerikaner beschäftigungslos. Das ist kein Fußball, das ist Stümperei, sagte Effenberg im Sender Premiere.
Auch nach der Pause bekamen die Zuschauer fußballerische Magerkost präsentiert. Erst nach dem perfekt getretenen Freistoß von Beckham, der damit als erster Engländer bei drei Weltmeisterschaften (1998, 2002 und 2006) ins Schwarze traf, wurden die Löwen etwas stärker, ohne jedoch wirklich überzeugen zu können. In der 63. Minute hatten sie noch eine Schrecksekunde zu überstehen. Doch Schlussmann Paul Robinson lenkte den Schuss von Luis Valencia um den Pfosten.
Beckham ist die schwüle Hitze im Stadion nicht bekommen. Englands Kapitän musste sich gegen Spielende auf dem Platz übergeben. Ich habe mich vor der Partie nicht wohl gefühlt, aber gedacht, es ist nicht schlimm, schilderte der 31-Jährige nach der Begegnung, aber in der zweiten Halbzeit wurde mir richtig schlecht, und da kam es einfach raus.
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