Welches Top-Team spielt schon auf weltmeisterlichem Niveau, welcher Trainer muss noch an seinem Kader feilen? Im WM-Barometer sind die acht im Vorfeld der Endrunde in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli 2006) von den meisten Experten favorisierten Mannschaften mit ihrem aktuellen Leistungsstand dargestellt.
WM-Gastgeber Deutschland gehört zu den großen Überraschungen des Turniers: Beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Schweden zeigte die Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann ihre bisher stärkste Leistung. Zuvor war das deutsche Team mit drei Erfolgen und dem Gruppensieg in der Vorrunde A beeindruckend in die WM gestartet. Nach dem 4:2-Eröffnungssieg gegen Costa Rica wurde in erster Linie die Offensivkraft der deutschen Mannschaft gelobt. Beim 1:0 gegen Polen zeigte das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zwei weitere wichtige Qualitäten: Eine Abwehr, die kein Gegentor kassiert, und vor allem eine unerschütterliche Moral. Eine erfreuliche Erkenntnis ist zudem, dass auch als Ergänzungsspieler geltende Akteure wie Odonkor und Neuville einem Spiel den entscheidenden Impuls geben können. Beim 3:0-Sieg gegen Ecuador in Berlin spielte die DFB-Auswahl wie aus einem Guss und steigerte die WM-Euphorie im eigenen Land ins Unermessliche.
Im Gegensatz zu den Klinsmännern ist das mit Superstars gespickte Ensemble von Titelverteidiger Brasilien noch nicht in Topform. War das 1:0 gegen Kroatien zum Auftakt noch eine ziemlich stotternder Start, lief der Motor beim 2:0 gegen Australien zumindest zeitweise schon etwas runder. Die beste Leistung zeigten Ronaldinho & Co. beim 4:1-Sieg gegen Japan.
Beeindruckend agiert der zweite Titelaspirant aus Übersee, Argentinien. Schon mit dem Auftaktsieg gegen das starke Team der Elfenbeinküste konnte das Team von Trainer José Pekerman seinen Finalanspruch unterstreichen. Nach drei Spielen sind sie in der starken Gruppe C ungeschlagen Gruppenerster. Im Achtfinale gegen die starken Mexikaner brauchten die Gauchos allerdings die Verlängerung, um ins Viertelfinale gegen Deutschland einzuziehen.
Frankreich hat mit Mühe und Not das Achtelfinale erreicht. Erst im letzten Gruppenspiel schaffte der Weltmeister von 1998 mit einem 2:0-Erfolg gegen Togo den Sprung unter die letzten 16. Zuvor hatte die Equipe Tricolore bei beiden Unentschieden gegen die Schweiz und gegen Südkorea nur ganz dürftige Leistungen gezeigt.
Ganz viel Luft nach oben hat auch das britische Team von Trainer Sven-Göran Eriksson: Trotz des bärenstarken Mittelfeldes um Frank Lampard und David Beckham und des Comebacks von Wayne Rooney enttäuschten die Engländer in ihren ersten drei Gruppenspielen und beim 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Ecuador spielerisch auf ganzer Linie. Im Viertelfinale gegen Portugal müssen sich die Profis von der Insel um 100 Prozent steigern, um nicht - wie die Niederländer - vorzeitig die Koffer packen zu müssen.
Das Oranje-Team von Bondscoach Marco van Basten verabschiedete sich im Achtelfinale mit einer 0:1-Niederlage gegen Portugal von der WM in Deutschland. In der Vorrunde hatten die Holländer in der Todesgruppe-E hinter den Argentiniern den zweiten Platz belegt.
Dagegen steigt Italiens Formkurve: Nach einem überzeugenden Sieg über Ghana folgte zwar ein schwaches 1:1 gegen die deutlich schwächer eingestuften Amerikaner, doch das 2:0 gegen Tschechien versöhnte die fußballverrückten Tifosi wieder.
Mit drei Siegen in der Vorrunde haben sich die Spanier souverän für das Achtelfinale qualifiziert und sich auf dem WM-Barometer weit nach oben katapultiert. Gleich bei ihrem 4:0-Auftaktsieg gegen die Ukraine demonstrierten sie Torgefährlichkeit, Zweikampfstärke und eine gehobene Spielkultur. Mit den späten Toren zum 3:1 gegen Tunesien bewiesen die Iberer zudem Moral, nachdem sie bis zur 71. Minute einem Rückstand hinterher liefen. Beim 1:0 gegen Saudi-Arabien durften dann die Reservisten der Iberer ran.
(Stand Juni 2006)
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