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Ronaldinho wartet noch auf Sternstunde | 2006-06-26


Bergisch Gladbach - Beim Confed Cup war Ronaldinho mit dem Surfergruß auf Eroberungskurs, bei der Weltmeisterschaft wartet der Superstar noch auf sein erstes Tor - und seine Sternstunde.

Der Weltfußballer des Jahres von 2004 und 2005 kämpft 2006 gegen seine zahlreichen Bewacher, mit seiner ungewohnte Position und manchmal auch mit den Unzulänglichkeiten seiner Offensivpartner. Ich weiß, ich kann besser spielen. Ich hoffe, dass ich Brasilien helfen kann, wenn es nötig ist, sagt der 26-Jährige vor der Achtelfinal-Partie des Titelverteidigers gegen Ghana.

Tudo bem?, wird Ronaldinho dieser Tage immer wieder gefragt. Und der Mittelfeldspieler nickt und sagt: Tudo bem - Alles gut. Doch der Mann, der laut Maradona auf dem Platz der glücklichste Mensch ist, hat sich noch nicht ausgelebt bei der WM. Auf dem Weg ins Stadion sieht man ihn hinter den Fensterscheiben des Mannschaftsbusses trommeln und singen. Doch sein typischer Torjubel mit dem abgespreizten Daumen und kleinen Finger, hat man noch nicht erlebt.

Wir haben immer gewusst, dass er bei dieser WM besonders bewacht wird. Es sind immer zwei, drei Spieler, die sich auf ihn stürzen, sagte sein Trainer Carlos Alberto Parreira. Dazu kommt, dass der Weltmeister von 2002 in der Nationalmannschaft als offensiven Mittelfeldspieler hinter den Spitzen eine andere Taktik spielt als in Barcelona, wo er auf Linksaußenposition stürmt.

Seit dem 4:1-Triumph gegen Argentinien im Endspiel des Confed Cups im vergangenen Juni hat Ronaldinho nicht mehr für die Seleçao getroffen. Aber er führte den FC Barcelona erneut zur spanischen Meisterschaft und zauberte in der Champions League, dass der Fußball-Welt die Augen übergingen. Selten waren sich alle so einig: Ronaldinho wird der herausragende Spieler der WM.

Auch die PR-Strategen hatten ihn rechtzeitig in Szene gesetzt. So macht Ronaldinho auf Plakaten, in Anzeigen und Fernsehspots derzeit eine glänzende Figur. Er wirbt für Notebooks (Ich muss mobil sein. Ich muss schnell sein. Und immer erreichbar. Genau wie sie) und für einen Sportartikel-Giganten (Jeder hat einen anderen Tanzstil. Meiner sorgt für Tore). Und er sitzt mit Messer und Gabel vor einem Lederball auf einem großen Teller. Nicht jeder kann von Fußball leben, sagt Ronaldinho als Botschafter gegen den Hunger für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

Der Brasilianer mit den langen Locken und den Hasenzähnen ist längst ein Markenzeichen. Trotz des enormen Drucks, der auf ihm lastet, wirkt er beim Training verspielt wie ein kleiner Junge. Über seine Mitspieler würde Ronaldinho nie etwas Kritisches sagen. Das wissen auch seine Kollegen, die ihn in Schutz nehmen. Ronaldinho spielt in Barcelona besser als in der Seleçao, weil er dort in Etoo und Giuly zwei schnelle Spitzen hat, erklärte Kaká und in deutlicher Anspielung auf die weniger beweglichen Ronaldo und Adriano.


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