Johannesburg - Ghanas WM-Fußballer sind Afrikas neue Helden. Es gibt Tage, da sind wir alle Ghanaer, brachte es ein Rundfunk-Moderator im fernen Südafrika auf den Punkt.
Seit sich das westafrikanische Land mit dem 2:1-Sieg über die USA den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM gesichert hat, erfüllt Ghana den Kontinent mit Stolz. Das ist ein Sieg für Gesamt-Afrika, jubelte Ghanas Präsident John Kufuor. Die Black Stars mussten das Spiel unter allen Umständen gewinnen, um den afrikanischen Kontinent aufzurichten.
Dass das einzige noch verbliebene afrikanische Land ausgerechnet auf die Fußball-Götter aus Brasilien trifft, stört kaum. Ghana ist Afrikas Hoffnungsträger - ein David, der furchtlos gegen Goliath antritt. Unsere Gegner sind keine übernatürlichen Wesen, macht Präsident Kufuor den Kickern seines Landes Mut.
Ghanas Fußballer können sich der Unterstützung von Millionen Afrikanern zwischen Kapstadt und Kairo, Timbuktu und Windhuk gewiss sein. So will Liberias Präsidentin Ellen Sirleaf-Johnson die Black Stars am Dienstag unbedingt in Aktion erleben. Ich bin eigentlich nicht der Typ, der sich einfach so frei nimmt. Aber wenn Ghana gegen Brasilien spielt, werde ich das Büro schließen und mir das Spiel anschauen, erklärte sie einer ghanaischen Delegation.
Ghanas Abschneiden bei der WM hat über das Spiel hinaus Bedeutung. Mit Ausnahme von Tunesien waren alle afrikanischen WM-Teilnehmer Neulinge. Ghanas Schwarze Sterne waren jedoch die einzigen, die so richtig zu funkeln verstanden. Tunesien, Togo und Angola schieden in der Vorrunde ebenso aus wie die als Geheimtipp eingestufte Elfenbeinküste mit ihrem Superstar Didier Drogba vom FC Chelsea.
Die ghanaischen Black Stars sind der deutlich sichtbare Beleg bei der WM, dass der afrikanische Kontinent nicht nur Krisen, Kriege und Katastrophen zu bieten hat. Im Vorfeld der WM 2010 in Südafrika ist das gute Abschneiden eines afrikanischen Nationalteams besonders wichtig. Denn die Afrikaner möchten bei der ersten WM auf ihrem Kontinent gleich mit sechs statt wie bisher mit fünf Länder vertreten sein - Südafrika als Gastland plus fünf weitere.
Kritiker innerhalb des Weltverbandes FIFA dagegen hatten schon gegrummelt, dass das schlechte Abschneiden afrikanischer Teams eher eine Beschneidung der Fünfer-Runde rechtfertigen würde. Mit den Ghanaern hoffen daher viele Afrikaner auf ein Wunder gegen Brasilien. Das WM-Team gibt sich bisher gelassen. Ob er denn keine Furcht vor den Brasilianern habe, wollte die südafrikanische Sunday Times von Mittelfeldspieler Sulley Muntari wissen. Absolut nicht, war seine Antwort: Wir spielen ja nur Fußball und führen keinen Krieg. Es gibt also keinen Grund zur Furcht.
Der Profi des italienischen Clubs Udinese Calcio wollte zwar keine Prognosen abgeben, meinte aber: Wir sind einfach nur glücklich, dass wir Afrikas Flagge weiter hoch halten. Wir werden sie hoch halten, so lange wir können. Ghana muss Respekt für Afrika verdienen.
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