Herzogenaurach - Linker Fußball ist Argentinien bei dieser WM gerade recht. Einst von Weltmeister-Trainer Cesar Luis Menotti in den 70er Jahren per Definition ins Leben gerufen, kann sich die Albiceleste 2006 eines aufrichtigen Fußballs rühmen.
Die Südamerikaner verbinden ihre technischen Fertigkeiten mit taktischer Finesse und brillieren bisweilen mit tollen Toren und spektakulären Kombinationen. So wie es Meister-Macher Menotti fordert: Das Publikum will ehrlichen Fußball. Es merkt, ob die Mannschaft das Spiel gestalten und gewinnen will. Ob die Spieler Spaß haben oder ob sie ängstlichen, destruktiven Fußball spielen.
Davon sind die Argentinier - wie die deutsche Mannschaft auch - vor dem brisanten Viertelfinale in Berlin weit entfernt. In vier Spielen erzielte die Mannschaft von Trainer José Pekerman zehn Tore - trotz der Nullnummer gegen die Niederlande im letzten Gruppenspiel. Zuvor hatten die Südamerikaner vor allem beim 6:0 gegen Serbien-Montenegro ihr Können gezeigt, nicht nur beim lehrbuchmäßig herausgespielten Treffer von Esteban Cambiasso über 25 Stationen.
Linker Fußball ist generös und nur dem Publikum verpflichtet, sagt El Flaco Menotti, er ist aufrichtig. Dieser Fußball stelle auch das Resultat nicht über alles. In diesem Punkt werden aber wohl weder die Argentinier noch die Deutschen dem intellektuellen Fußball-Coach beipflichten, zumal vor allem Pekerman als äußerst pragmatisch gilt. Deutlich wurde dies beim Spiel gegen die Niederlande, als er seine vier gelbbelasteten Spieler aus Angst vor einer Sperre schonte.
Linker Fußball betont auch das Kollektiv. Wir haben 23 Stammspieler, lautet dazu Pekermans Leitsatz. Alle Spieler im Kader sind wichtig, ergänzt Kapitän Juan Pablo Sorin. Dabei wirken die oftmals wiederholten Statements zum Teamgeist des Titel-Favoriten vor dem Deutschland-Spiel aber nicht aufgesetzt. Beispielhaft für den Zusammenhalt der Truppe ist die Tatsache, dass auch die hochkarätigen Spieler auf der Bank - ob die Jungstars Lionel Messi und Carlos Tevez oder der erfahrene Pablo Aimar - noch nicht wirklich aufmuckten.
Doch auch in der Gaucho-Gemeinschaft, die nunmehr seit vier Wochen gemeinsam am großen Ziel WM-Titel arbeitet, gibt es Spieler, die zweifelsohne auf dem Feld eine Sonderrolle einnehmen. So wie Spielmacher Juan Román Riquelme, dem Pekerman zwecks der Schönheit und Effektivität des argentinischen Spiels keine Abwehrarbeiten aufbürdet. Menotti dürfte es recht sein.
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