Hannover - Spaniens Youngster wollen die alternden französischen Fußball-Stars um Zinédine Zidane in den Ruhestand schicken. Wir hoffen, dass dies Zidanes letztes Spiel sein wird, sagte der spanische Kapitän Raúl vor dem Achtelfinale gegen den Rivalen Frankreich in Hannover.
Zum Wohle Spaniens, fügte der Madrilene diplomatisch hinzu, der bislang mit dem Franzosen bei Real in einer Mannschaft gespielt hatte. Zizou wird nach der WM die Fußballstiefel an den Nagel hängen.
Die als Rentnerband und Rolling Stones auf Abschiedstournee verspotteten Franzosen wollen jedoch der Welt noch einmal beweisen, dass sie auch nach ihrer Blamage bei der WM 2002 nicht zum alten Eisen gehören. Das Spiel gegen das beste Team der Vorrunde ist ihre große Chance, den Ruhm vergangener Tage noch einmal aufzupolieren. Mit Kapitän Zidane (34), Rekord-Nationalspieler Lilian Thuram (34), Patrick Vieira (30) und Fabien Barthez, der am Tag nach dem Spiel 35 Jahre alt wird, stehen noch vier echte Weltmeister von 1998, die damals das Finale gegen Brasilien mit 3:0 gewannen, in der heutigen Équipe tricolore. Damals war auch der Stern von Thierry Henry und David Trezeguet aufgegangen, die 1998 Ersatz waren.
Die Spanier, mit Trainer Luis Aragonés in 25 Spielen ungeschlagen, fürchten die Franzosen als Angstgegner. Zwar trafen beide Teams noch nie bei einer WM aufeinander, aber bei der EM scheiterte Spanien zwei Mal (1984 und 2000) an Frankreich. Vor allem Geburtstagskind Raúl sinnt bei seiner Rückkehr in die Stammelf auf Revanche. Der Kapitän, der am Dienstag 29 Jahre alt wird, hatte bei Spaniens 1:2-Niederlage bei der EM 2000 in der Schlussminute einen Elfmeter verschossen und war von Torwart Barthez verhöhnt worden. Dieses Match ist eine Revanche, die uns das Schicksal schickt, meint Spielmacher Xavi.
Die Partie in Hannover, das 700. Spiel in der Geschichte der WM-Endrunden, bringt zudem eine Neuauflage des Duells zwischen Henry und Carles Puyol. Der Stürmer des FC Arsenal und der Abwehrchef des FC Barcelona hatten sich erst am 17. Mai bei Barças 2:1-Sieg im Finale der Champions League gegenüber gestanden. Henry war der stärkste Gegenspieler, den ich je zu bewachen hatte, erinnert sich Puyol, der gegen Frankreich sein 50. Länderspiel bestreitet.
Bei den Franzosen, die im Durchschnitt fünf Jahre älter sind als die Spanier, ist Zidane nach einer Gelbsperre wieder dabei. Der Kapitän will seine 16-jährige Karriere auf der großen Bühne der WM beenden. Mit dem Titel natürlich, sagt die Fußball-Ikone. Gegen den sieglosen Fußball-Zwerg Togo war der Maître entbehrlich, gegen die starken Spanier ist er aber unverzichtbar. In einem K.o.-Spiel ist Erfahrung von unschätzbarem Wert, meinte Trainer Raymond Domenech. Ich hoffe, dass dies nicht Zidanes letztes Spiel sein wird.
Der 54-jährige Trainer, der die Kerzen erst nach dem 9. Juli ausblasen will, sieht sich mit Spanien auf Augenhöhe und taxiert die Chancen auf 50:50. Für ihn ist das Spiel auch eine Auseinandersetzung mit dem Land seines Vaters. Domenechs Vater war im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) vor den Truppen des späteren Diktators Francisco Franco ins Exil nach Frankreich geflüchtet.
Spaniens Coach Aragonés gab sich optimistisch: Ich bin sicher, dass wir weiterkommen. Der 67-Jährige trifft bei der Partie auf Henry, den er einmal als Scheißneger bezeichnet hatte. Die Beteiligten wollten die Angelegenheit jedoch nicht neu anheizen. Die Sache ist für mich seit langem erledigt, sagte Henry.
Besonders Findige wollen herausgefunden haben, dass der Astrologe Nostradamus bereits im 16. Jahrhundert einen WM-Erfolg der Spanier vorausgesagt habe. In seinen Prophezeiungen heißt es nach Angaben der Zeitung Le Parisien an einer Stelle: Im sechsten Monat des Jahres 2006 wird der spanische König mit seinen Truppen die Pyrenäen überschreiten. ... Er wird die Gegner, die sich ihm in den Ebenen Mitteleuropas entgegenstellen, vernichtend schlagen und mit dem Heiligen Gral nach Spanien zurückkehren.
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