Hannover - Die Grande Nation hofft und bangt in Hannover im Achtelfinalspiel der Fußball-WM gegen Spanien um ihre Équipe tricolore und besonders um Frankreichs Ikone Zinédine Zidane.
Die Frage, die die Fußball-Welt bewegt: Sieht man den unvergleichlichen Zauberer Zidane zum letzten Mal am Ball, den er beherrschte wie kein anderer, oder verlängert er seine Abschiedstournee von der Weltbühne des Fußballs bei dieser WM noch bis zum Berliner Finale am 9. Juli?
Das Leipziger Zentralstadion hätte sich mit dem Ruf schmücken können, die letzte Station in der 16-jährigen schillernden Karriere des 34-Jährigen gewesen zu sein. Dort sah er am 18. Juni im Vorrundenspiel gegen Südkorea seine zweite Gelbe Karte und wurde zu allem Überfluss auf instinkt- und respektlose Weise von Trainer Raymond Domenech in der ersten Minute der Nachspielzeit sogar ausgewechselt. Sollte das schon der würdelose Abgang eines der größten Meister seines Metiers gewesen sein?
Seine Mitspieler beantworteten die Frage mit einem 2:0-Sieg gegen Togo, der die Blauen weiter im Wettbewerb ließ und dem Maitre die Rückkehr auf die WM-Bühne bereitete. Der Countdown seines Adieu läuft. Hannover, Frankfurt (1. Juli/Viertelfinale), München (5. Juli/Halbfinale), Stuttgart (8. Juli/Spiel um Platz drei) und Berlin (9. Juli/Endspiel) sind die weiteren möglichen Tourneedaten des Nurejew auf Stollenschuhen (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Ein Abschied auf Raten?
Seine tänzerische Leichtigkeit hat den in Marseille geborenen Sohn algerischer Einwanderer längst verlassen. Ich bin nicht frustriert, sondern einfach realistisch. Ich höre auf mit Fußball auf höchstem Niveau, weil mein Körper mir das sagt und mein Kopf auch. Man darf sich nicht beschummeln, so hatte Zidane seine Ende April erklärten Rücktritt beim spanischen Rekordmeister Real Madrid begründet. Seinen Abschied von der Équipe tricolore hatte er nach der missglückten EM 2004 in Portugal genommen.
Doch der in Madrid auch durch Skandalgeschichten zermürbte Zidane wollte so nicht abtreten. Er verdrängte sein Burnout-Syndrom. Als die Not der Blauen in der WM-Qualifikation am größten war, ließ sich der Patriot in Zidane zum Rücktritt vom Rücktritt überreden - auch um die WM-Pleite von Südkorea 2002 mit dem torlosen Vorrunden- K.o. zu korrigieren. Das ist mit dem Einzug ins Achtelfinale einigermaßen gelungen - wenn auch ohne ihn.
Doch der dreimalige Weltfußballer will mehr. Ich bin hier in Deutschland, um noch einmal Weltmeister zu werden, verkündete er. Die allgemeine Einschätzung, dass der Genius von der Führungs- zur Bremskraft wurde, will Zidane, der dies für respektlos und ungerecht hält, schon gegen Spanien widerlegen. Ich bin fit und bereit, sagte der in die Jahre gekommene Spiellenker, der als einer der wenigen die Nummer 10 noch mit Berechtigung trägt. Auch wenn die Beine schwerer und die Schritte kürzer geworden sind.
Seine Teamkollegen wissen das. Deshalb wollen sie ihm helfen. Wir werden alles dafür tun, dass Zizou einen schönen Abgang bekommt, auch in unser aller Interesse, versprach Bayern-Verteidiger Willy Sagnol. Trainer Raymond Domenech schätzt zwar Zidanes Erfahrung in so einem wichtigen Spiel wie gegen Spanien hoch ein, meinte aber dennoch ganz pragmatisch: Wir spielen nicht für Zidane, sondern für die Mannschaft und die Nation.
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