Berlin - Alexander Schowkowski verstand die Welt nicht mehr. Als er nach dem Elfmeterkrimi gegen die Schweiz von einem italienischen Journalisten gelobt wurde, dass keiner sonst so schöne Elfmeter schieße wie Francesco Totti, schüttelte der Keeper nur ungläubig den Kopf.
Er vermutete ein falsche Übersetzung. Diese Szene ist bezeichnend für den 1,91 langen Ukrainer: Obwohl er schon seit Jahren eine feste Größe im Tor der Sbirna ist, gegen die Schweiz bereits sein 71. Länderspiel bestritt, kennt ihn in Westeuropa kaum jemand. Der Italiener hatte ihn mit dem Schützen Artjom Milewski verwechselt.
Spätestens seit dem heißen Abend in Köln kennen das Gesicht von Schowkowski nun aber Millionen. Unübertrefflich, wie er die Strafstöße von Marco Streller und Ricardo Cabanas parierte und somit für ein Novum in der WM-Geschichte sorgte: Erstmals blieb mit der Schweiz ein Team torlos beim Elfmeterschießen.
In seiner Mannschaft hat der intellektuelle Keeper ein Standing wie sonst nur Superstar Andrej Schewtschenko. Bei vielen Teamgefährten gilt er daher als der heimliche Kapitän. Während von Spielführer Schewa nur selten laute Worte auf dem Spielfeld zu hören sind, nimmt Schowkowski kein Blatt vor den Mund, staucht seine Vorderleute auch mal kräftig zusammen.
Mit acht Jahren kam Schowkowski in die Jugendriege von Dynamo Kiew, seit 1993 gehört er zum Profiteam des Top-Teams, zwölf Monate später gab er mit 19 Jahren sein Debüt in der Sbirna. Angebote westlicher Vereine konnten ihn bisher nicht locken, in Kiew wird er als Top-Verdiener geradezu fürstlich für seine Dienste entlohnt. Ich habe versucht, völlig abzuschalten und mich nur zu konzentrieren. Mein Erfolgs-Geheimnis möchte ich nicht offenbaren. Ich kann nur sagen, dass ich niemanden kopiere, schilderte er die wichtigsten Minuten seiner Karriere.
Als ich nach dem dritten Schützen der Schweizer auf die Anzeigetafel schaute, wusste ich: Noch ein Treffer und der Traum wird wahr. Und er wurde wahr. Die Emotionen haben mich sofort übermannt, ich wurde fast hysterisch, konnte meine Gefühle kaum zügeln, erzählte der neue Volksheld der Ukrainer. Um die Finanzierung seines nächsten Urlaubs muss sich Schowkowski, der am liebsten in malerischen Gewässern vor Bali oder Thailand taucht, nun keine Sorge zu machen. Mit seinen Paraden hat er sich und seinem Kollegen schon eine Prämie von fast 400 000 Euro beschert.
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