Hannover - Vive la France - Frankreich lebt noch: Im Duell der Generationen hat die in die Jahre gekommene Equipe Tricolore durch den 3:1 (1:1)-Sieg über Spaniens Fohlen-Elf das Viertelfinale der Weltmeisterschaft erreicht.
Zugleich verlängerten die Blauen damit die Abschieds-Tournee ihres Kapitäns Zinedine Zidane verlängert. Vor 43 000 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena in Hannover sorgten Franck Ribery (41.), Patrick Vieira (83.) und Zidane (90.+2) für den Erfolg der Franzosen, die die Schmach des Vorrunden-K.o. von 2002 tilgten und nun in Frankfurt Weltmeister Brasilien herausfordern. Die Spanier, für die David Villa (28./Foulelfmeter) traf, kassierten dagegen im 26. Spiel unter Coach Luis Aragones ihre erste Niederlage.
Das Abenteuer geht weiter. Dieses Spiel sollte nicht das letzte sein, jubelte Mittelfeld-Star Zidane nach dem hart erkämpften Coup. Wir wollten Großes ausrichten und zeigen, dass in unserer Mannschaft mehr steckt, als sie in der Vorrunde gezeigt hat. Trainer Raymond Domenech war nach dem wichtigen Sieg glücklich und glaubt an weitere Erfolge bis zum Finale: Wir sind unserem großen Ziel, dem 9. Juli, ein Stück näher gekommen. Dagegen war Spaniens Torhüter Iker Casillas am Boden zerstört: Wir waren so sicher, dass wir weiter kommen würden. Aber so ist das nun mal im Fußball. Jetzt müssen wir nach Hause fahren.
Im 700. Spiel der WM-Geschichte wählte Domenech gegen das beste Team der Vorrunde die vorsichtigere Variante mit Thierry Henry als einziger Spitze. Dessen sonstiger Sturmpartner David Trezeguet musste für Fußball-Ikone Zidane Platz machen, der nach abgesessener Gelbsperre sein 105. Länderspiel bestritt und mit Jungstar Ribery das Offensivspiel ankurbeln sollte. Zu attraktivem Fußball kam es aber zunächst nicht, da man auch den Iberern, deren Kapitän Raul an seinem 29. Geburtstag für Luis Garcia von Beginn an ran durfte, aber kaum auffiel, den Respekt vor dem Gegner anmerkte.
So entwickelte sich eine umkämpfte Partie mit wenigen Höhepunkten. Den ersten guten Angriff der Franzosen leitete nach 23 Minuten Zidane ein, der Henry steil schickte, doch dessen Hereingabe verpassten erst Ribery und dann auch Vieira. Für Belebung sorgte erst der berechtigte Elfmeter, den Villa zu seinem dritten WM-Tor nutzte, nachdem der französische Rekord-Internationale Lilian Thuram in seinem 118. Länderspiel Gegenspieler Pablo plump von hinten umgerannt hatte.
Erst allmählich suchten die lange viel zu behäbigen Blauen den Weg nach vorn. Und als Spaniens Hintermannschaft um Abwehrchef Carles Puyol in seinem 50. Länderspiel einmal nicht aufpasste, stand es 1:1. Der starke Vieira spielte einen Traumpass auf Ribery, der Keeper Casillas umkurvte und zu seinem ersten Länderspiel-Tor einschob.
Nach Wiederanpfiff fielen beide Mannschaften wieder in den Anfangstrott zurück. Plötzlich aber ließ Zidane, bei dem Licht und Schatten abwechselten, sein Können bei einem wunderschönen Anspiel auf Florent Malouda aufblitzen, doch der konnte mit seinem Schuss den glänzend reagierenden Casillas nicht überwinden (52.). Eine Minute später reagierte dann Aragones auf die Harmlosigkeit in seinem Angriff und schickte in Joaquin und Garcia gleich zwei frische Stürmer aufs Feld. Doch Torchancen blieben abgesehen von einem Kopfball durch Joker Garcia (68.) lange Zeit weiter Mangelware.
Insgesamt taten allerdings beide Teams viel zu wenig, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die Angst vor einem Gegentreffer schien alle Akteure zu lähmen. Bei einer Einzelaktion von Joaquin (79.), der mit seinem Schuss nur das Außennetz traf, und auf der Gegenseite durch den eingewechselten Sidney Govou (81.) kam immerhin mal wieder etwas Torgefahr auf. Erst der überall auftauchende Vieira sorgte nach Zidanes Freistoß entschlossen per Kopf für die Vorentscheidung. Die enttäuschendenSpanier wachten einfach zu spät auf. Zidane war es dann vorbehalten, den krönenden Schlusspunkt zu setzen.
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