Dortmund - Rekord-Champion Brasilien hat die Traumreise der Black Stars aus Ghana beendet, den Nachweis seiner Titelreife aber erneut nicht antreten können. Ohne Glanz und Gloria zog das Starensemble mit dem 3:0 (2:0)-Erfolg ins WM-Viertelfinale ein.
Ronaldo (5.), der mit seinem 15. Treffer Bomber Gerd Müller als besten WM-Torschützen ablöste, Adriano (45.+1) mit dem 200. Endrunden-Tor für den Titelverteidiger und der Noch-Münchner Ze Roberto (84.) entschieden vor 65 000 in Dortmund Zuschauern eine Partie, in der das Ergebnis zu hoch ausfiel und das Team von Carlos Alberto Parreira die erwartete Fußball-Sambashow einmal mehr schuldig blieb.
Während die Selecao ihre Bestmarke auf elf WM-Siege nacheinander ausbaute und im Viertelfinale in Frankfurt auf Ex-Weltmeister Frankreich trifft, trägt der Schwarze Kontinent nach dem Ausscheiden des letzten afrikanischen Vertreters Trauer. Die unglückliche Niederlage der Ghanaer, die in der 81. Minute Asamoah Gyan durch die Gelb-Rote Karte verloren, beendete Afrikas Hoffnung, nach 1990 (Kamerun) und 2002 (Senegal) zum dritten Mal in der Runde der letzten Acht vertreten zu sein. Es war ein Superspiel, aber wir haben jede Menge Pech gehabt. Insgesamt war es aber eine erfolgreiche Expedition, zog Ghanas Torwart Richard Kingston ein positives Fazit der ersten WM-Teilnahme seines Landes.
Das Resultat drückt nicht aus, wie schwierig das Spiel war. Wir hatten gute Chancen, aber auch etwas Glück, räumte Parreira nach dem Spiel ein, in dem Ghana 18 Torschüsse, seine Mannschaft aber nur zehn abgegeben hatte. Nun sei eine Steigerung nötig. Die großen Teams kommen ab dem Viertelfinale. Es wird härter und härter und wir müssen alles einsetzen, was wir haben. Sein Kollege Ratomir Dujkovic, der die zweite Halbzeit nach einem Disput mit Schiedsrichter Lubos Michel (Slowakei) von der Tribüne aus verfolgen musste, erklärte: Ich bin stolz auf meine Mannschaft.
Nach durchwachsenen Leistungen in der Gruppenphase hielten die Brasilianer zum Start in die K.o.-Runde dem Erwartungsdruck zwar Stand, auf Glanzlichter von Ronaldinho und Co. warteten die Fans aber vergeblich. Dabei hätte die Partie für den fünfmaligen Champion besser nicht beginnen können. Das bisher schnellste Führungstor der Selecao markierte zugleich einen historischen Moment. Als Ronaldo nach 4:43 Minuten einen Traumpass von Kaka aufnahm, Kingston umspielte und den Ball zu seinem 15. WM-Treffer ins leere Tor schob, war Müllers seit 32 Jahren bestehende Bestmarke ausgelöscht. Wunderbar, fantastisch. Jeder, der hart arbeitet, wird belohnt, freute sich el fenomeno über den Rekord.
Das frühe Tor gab dem Favoriten jedoch keine Sicherheit, sondern verleitete ihn eher zu Leichtsinn und Überheblichkeit. Nachdem die Afrikaner ihren Respekt und die Nervosität abgelegt hatten, wurden sie zu einem gleichwertigen Gegner, der lediglich im Abschluss Defizite offenbarte. So verpasste der Dortmunder Matthew Amoah in seinem Heimspiel zwei gute Gelegenheiten zum Ausgleich (24./29.). Mit einer Riesenportion Glück vereitelte Torhüter Dida vier Minuten vor der Pause den eigentlich fälligen Ausgleich, als er einen Kopfball von John Mensah aus kurzer Distanz mit dem Fuß parierte.
Nicht nur in diesen Szenen präsentierte sich Brasiliens Innenverteidigung mit den Bundesliga-Profis Lucio und Juan anfällig und wenig souverän. Aber auch im Angriff lief es längst nicht rund. Adriano war kein vollwertiger Ersatz für den verletzt fehlenden Robinho. Dennoch gelang ausgerechnet dem Angreifer von Inter Mailand in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit das zu diesem Zeitpunkt nicht verdiente 2:0, als er eine Flanke von Cafu in Abseitsposition mit dem Oberschenkel ins Tor bugsierte. Das Publikum, dessen Sympathien schon vorher dem Außenseiter galten, verabschiedete die Stars in Gelb und Blau mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause.
Während die Ghanaer sich in der zweiten Spielhälfte eifrig, aber vergeblich um den Anschluss bemühten, begnügten sich die Brasilianer mit gelegentlichen Kostproben ihrer Fußball-Kunst. In der 57. Minute prüfte Roberto Carlos Ghanas Keeper Kingston, auf der Gegenseite musste Dida bei Schüssen von Gyan (69.) und Amoah (79.) zupacken. Sechs Minuten vor dem Ende machte dann Ze Roberto alles klar.
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