London - England möchte gegen Erzfeind Deutschland den Wembley-Mythos im neuen Stadion wiederbeleben. Gegen die Löw-Truppe soll der erste Sieg im komplett neu gebauten Nationalstadion im Norden Londons her.
Noch fehlt der rund 1,4 Milliarden Euro teuren Arena etwas der Flair, doch die Legende Wembley lebt im besten Fußballstadion der Welt, wie Star-Architekt Norman Foster, der unter anderem auch die Reichstagskupppel in Berlin baute, sein Werk nennt.
Über fünf Jahre sorgten unzählige Baupannen und Verzögerungen für Negativ-Schlagzeilen, doch das Warten auf das Kolosseum von heute (The Guardian) hat sich in den Augen der englischen Fußballfans gelohnt: 90 000 Zuschauer finden Platz im zweitgrößten Fußballstadion - nach dem Camp Nou in Barcelona. Der größte Stahlbogen der Welt (133 Meter hoch und 315 Meter lang) ersetzt als äußeres Erkennungsmerkmal die Zwillingstürme des alten Stadions.
Für die Besucher bietet das neue Wembley viel mehr Komfort als das alte Stadion, das Pelé einst als Kathedrale des Fußballs, seine Hauptstadt und sein Herz bezeichnete. Wenn es regnet, kann das 44 500 Quadratmeter große und 7000 Tonnen schwere Dach zumindest so weit geschlossen werden, dass die Fans trocken bleiben, wenn auch nicht die Kicker auf dem Rasen. In der Halbzeitpause stehen den Zuschauern nicht mehr nur 361, sondern 2618 Toiletten zur Verfügung - was lange Schlangen dennoch nicht verhindert.
900 Imbissbuden und zehn Restaurants sorgen dafür, dass niemand mit leerem Magen das Spiel verfolgen muss. Nur die Hauptakteure haben nach Finalspielen mehr Strapazen vor sich als früher: Zur Siegerehrung müssen sie nun 107 Treppenstufen - statt bislang 39 - zur königlichen Loge auf sich nehmen, um den Pokal und die Medaillen entgegenzunehmen.
Gerade Deutschland ist der passende Gegner, um den Mythos auferstehen zu lassen. Denn kein anderer Gegner hat so viel an der Wembley-Legende mitgeschrieben: 1966 wurde England gegen die Bundesrepublik zum einzigen Mal Weltmeister, das 3:2 durch Geoff Hurst war das erste Tor, das nach einem Stadion benannt wurde - auch wenn mit moderner Technik mittlerweile bewiesen wurde, dass der Ball nicht hinter der Linie war.
Die Deutschen revanchierten sich 1996 bei der EM, als sie in einem dramatischen Halbfinale den Gastgeber im Elfmeterschießen bezwangen und durch das erste Golden Goal der Geschichte anschließend Europameister wurden. Dietmar Hamann, der aktuell mit Manchester City die Premier League anführt, setzte 2000 den Schlusspunkt, als er mit seinem Freistoß zum deutschen 1:0-Sieg den letzten Treffer im alten Wembley-Stadion erzielte.
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