Köln - Das tragische Ende eines miserablen Fußball-Spiels rührte die Verlierer zu Tränen. Nach wochenlanger WM-Euphorie zeigte sich der Fußball für die Schweizer von seiner umbarmherzigsten Seite.
Drei Mal traten sie zu einem Elfmeter an, drei Mal versagten ihnen die Nerven. Mit feuchten Augen trauerten die Eidgenossen der vergebenen Chance vom ersten WM-Viertelfinale seit 1954 nach. Der Fußball ist brutal, sagte ein fassungsloser Pascal Zuberbühler beim Blick auf jubelnde Ukrainer, die ihr Happy End im bisher schlechtesten WM-Spiel stürmisch feierten.
Es war eine doppelt rekordwürdige Schweizer Niederlage: In vier Spielen hielt Zuberbühler seinen Kasten 390 Minuten lang sauber - und doch schied durch das 0:3 im Elfmeterschießen gegen den WM-Neuling erstmals eine Mannschaft ohne Gegentor aus. Zudem gab es in der WM- Historie noch nie zuvor einen Verlierer im Elfmeterschießen ohne eigenen Treffer. Anstatt die Deutschland-Tour mit dem Viertelfinale fortsetzen zu dürfen, muss das Team die Heimreise antreten. Das Ende kam einfach zu plötzlich. Man rechnet damit, dass man weiter kommt und nach Hamburg fährt. Und jetzt geht es nach Hause, klagte HSV- Profi Raphael Wicky.
Doch schnell wich der Frust der Zuversicht. Selbstwertgefühl und Korpsgeist bahnten sich den Weg. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass die Zeit der kleinen Schweizer vorbei ist, dass wir große Schweizer geworden sind. Dass man mit uns in zwei Jahren bei der EM rechnen muss. Dann kommen wir weiter als ins Achtelfinale, das ist ganz sicher. Die Basis ist wunderbar, tönte der Stuttgarter Defensivmann Ludovic Magnin. Und: Heute waren die Elfmeterschützen unsere Helden. In meinem Herzen sind diese Spieler ganz groß. Ich hoffe, dass sie in der ganzen Schweiz noch größer geworden sind.
Dass Marco Streller sowie die Rheinländer Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen) und Ricardo Cabanas (1. FC Köln) mit ihren Fehlversuchen aus elf Metern den unrühmlichen Schlusspunkt setzten, wurde ihnen nicht nur von Magnin im Eiltempo verziehen. Man müsse erstmal den Mut haben für dieses russische Roulette, wie Ukraine- Chefcoach Oleg Blochin die Entscheidungsfindung nach 120 torlosen Minuten vor 45 000 Zuschauern im Kölner WM-Stadion bezeichnete. Hut ab vor den Spielern, die den Mut hatten zu schießen, würdigte Magnin seine Kollegen.
Im Trainer der Eidgenossen machte sich Enttäuschung und Leere breit. Das hält mich davon ab, mir allzu viel Gedanken über das Spiel zu machen, räumte Jakob Kuhn ein. Es war ein schlechtes. Und doch wird der väterliche Coach der Schweizer Rasselbande irgendwann an die vielen positiven Dinge zurückdenken. Alles im Leben verflüchtigt sich nach einer gewissen Zeit, wir werden die Niederlage verarbeiten und sie akzeptieren.
Die auf dem Rasen so schwachen Protagonisten hatten schnell begriffen, dass sie für das kleine Fußball-Land Großes geleistet hatten. Wir können stolz sein. Wir haben als einziges Team kein Tor kassiert, sagte der Kölner Cabanas. Da störte es am Ende auch keinen, dass es Pfiffe der neutralen Zuschauer gab - gegen beide Mannschaften. Kuhn äußerte dafür in gewisser Hinsicht sogar Verständnis: Aber das ändert meine Gefühle für diese WM und mein Team in keiner Weise.
Kuhns Erklärung für die Nullnummer war stichhaltig: Die Nerven haben versagt, schlicht und einfach. Aber das Kollektiv wird die Erfahrung mitnehmen. Um für 2008 noch besser gerüstet zu sein, kündigte der Schweizer Chefcoach einen weiteren Aufschwung an.
Die Schweiz, ein Tränen-Meer, beschrieb auch die Zeitung Blick das große Trauern, das nun die Eidgenossenschaft über alle Sprachgrenzen hinweg erfasst hat. Aber Aus und vorbei? Vorerst ja, doch die Schweizer blicken schon wieder nach vorne: Nach der WM ist vor der EM, titelten mit Blick auf die Euro 2008 die Profi-Werbetexter einer großen Schweizer Bank in einer Anzeige. In der Tat weiß man nun ja, dass eine solche Mannschaft steigerungsfähig ist, auch wenn es zunächst einmal einen bitteren Abschied von der Weltbühne (NZZ) gegeben hat.
Sammers Zukunft ungewiss - VfB bestätigt GesprächeNürnberg feiert Pokalsieg: 3:2-Sieg über StuttgartZeitung: Johan Micoud verlässt Werder BremenSaarbrücken zittert weiter - Unterhaching gerettetRandaleVfB mit Ljuboja/Tomasson - Kritik an TrapattoniVfB Stuttgart bezwingt Hoffenheim mit 2:1WM-Besuch Ahmadinedschads kaum zu verhindernExtra Fußball-BundesligaKSC vergibt Spitzenplatz - Rostock Tabellenführer1961 |
1720 |
1958 |
1261 |
1418 |
13101 |
13300 |
13575 |
13561 |
13260 |