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Déja-vu für Brasilien - Endspiel von 1998 vergessen | 2006-06-28


Dortmund - Déja-vu für Brasilien und Ronaldo: Der Rekord-Torjäger kann nun seine Weltmeisterschafts-Quote ausgerechnet gegen Frankreich ausbauen.

Der Viertelfinal-Schlager zwischen dem Weltmeister von 2002 und 1998 in Frankfurt ruft sein Endspiel-Trauma von vor acht Jahren mit den mysteriösen Umständen in Erinnerung. Zugleich trifft Ronaldo auf seinen Vereinskollegen von Real Madrid, Zinedine Zidane. Wir müssen die Partie wie ein Finale sehen, aber das Endspiel von damals vergessen. Das wird ein großes Spiel, sagte der Stürmerstar, der mit seinem 15. WM-Treffer beim 3:0 (2:0) gegen Ghana Gerd Müller als erfolgreichster WM-Torschütze abgelöst hat.

Das ist ein Klassiker des Weltfußballs, kommentierte Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira die brisante Konstellation, betonte aber auch: An Revanche denkt keiner. Vom WM-Finale am 12. Juli 1998 in Paris sind immerhin drei brasilianische Stammspieler übrig geblieben: neben Ronaldo noch Kapitän Cafú und Außenverteidiger Roberto Carlos.

Zidane erzielte damals beim 3:0-Triumph der Franzosen zwei Tore, für die größten Schlagzeilen aus brasilianischer Sicht hatte jedoch Ronaldo gesorgt. Die Ursachen für seinen Schwächeanfall vor dem Spiel ist bis heute ungeklärt und beschäftigte sogar das brasilianische Parlament. Der Angreifer lieferte dann seine schwächste WM-Partie ab und wurde in der Heimat von vielen für den verlorenen Titel verantwortlich gemacht. Gerüchte, wonach er von Sponsor Nike gezwungen worden war aufzulaufen, konnten nie bewiesen werden.

Mit seinem 63. Tor im 96. Länderspiel hat Ronaldo seine Klasse erneut unter Beweis gestellt, auch wenn er gegen Ghana am Dienstagabend in Dortmund kaum auffiel. Sein Name steht jetzt in den Geschichtsbüchern. Ronaldo ist ein Top-Scorer, ein Spieler für wichtige und große Momente, lobte Parreira den dreimaligen Weltfußballer des Jahres. Ich will den Rekord weiter steigern, aber dabei nicht vergessen, dass mein Hauptziel bei der WM ist, den Titel zu gewinnen, meinte Ronaldo.

Trotz des ungefährdeten Viertelfinal-Einzugs gegen die überaus schussschwachen Ghanaer und Ronaldos erfolgreicher Rekordjagd, erntet die Seleçao weiterhin Kritik. Bürokraten-Fußball hieß es in den heimischen Medien. Und bei Pressekonferenzen muss sich Parreira immer wieder fragen lassen, wo denn der Ballzauber bleibe. In den Geschichtsbüchern wird nicht vom schönen Spiel erzählt, sondern von den Champions, erwiderte der Chefcoach.

Den Werbeslogan Joga bonito können anscheinend selbst die Hauptdarsteller nicht mehr hören. Das wurde von einer Sportmarke erfunden, wir haben keine Schuld daran, erklärte Roberto Carlos vollmundig. Brasilien hat immer einen intelligenten Fußball gespielt, einen siegreichen, mit großartigen Spielern. Ich glaube, das schöne Spiel ist etwas zum verkaufen - nichts für uns. Sein Mitspieler Zé Roberto versprach für das Frankreich-Spiel: Gegen eine große Mannschaft kann Brasilien besser spielen.

Auch für Ronaldinho steht der Sieg über allem. Der Ballkünstler lieferte gegen Ghana sein bisher schlechtestes WM-Spiel ab, wobei ihm die wenig lauffreudigen Stürmer Adriano und Ronaldo trotz ihrer Tore erneut wenig Anspielstationen boten. Roberto Carlos nahm den Superstar jedoch in Schutz: Er hat für uns noch etwas in Reserve. Zudem wartet der Profi vom FC Barcelona seit dem 4:1 gegen Argentinien im Endspiel des Confed Cups im vergangenen Jahr auf einen Treffer im Nationalteam. Im richtiger Moment werde ich das Tor schießen, sagte Ronaldinho und räumte ein: Wir müssen einige Dinge verbessern.


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