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Blatter sicher: Referees steigern ihre Leistung | 2006-06-28


Berlin - FIFA-Präsident Joseph Blatter hat keinen Zweifel, dass die bei der Fußball-WM stark kritisierten Schiedsrichter vom Viertelfinale an wieder auf Ballhöhe sein werden.

Ich bin überzeugt, dass wir wieder die Klasse sehen werden, die sie zu Beginn des Turniers gezeigt haben, erklärte der Chef des Weltverbandes FIFA in Berlin. Die Unparteiischen seien zuletzt vor allem der psychischen Belastung nicht gewachsen gewesen.

Die hatten einen großen Druck, von außen und von innen, meinte Blatter. Möglicherweise habe auch dazu beigetragen, dass die 21 WM-Schiedsrichter mit ihren Assistenten nicht genug Freiraum in ihrem Quartier in Neu-Isenburg hatten. Vielleicht waren sie zu stark kaserniert, sagte Blatter. Die WM-Referees bekamen nur zwei Tage nach einem Einsatz einen Tag frei.

Dagegen gab der der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder dem FIFA-Chef mit die Schuld an den vielen Patzern der Referees. Der hat an alle den Oberbefehl erlassen, für jeden Wimpernschlag die Gelbe Karte zu zeigen, sagte Ahlenfelder, der in der Saison 1984/85 auch FIFA-Spiele leitete, der Berliner Zeitung. Damit habe er alle Schiedsrichter total verrückt gemacht und unter Druck gesetzt. Diese WM ist gründlich verpfiffen, und daran trägt vor allem der Herr Blatter die Schuld, meinte Ahlenfelder.

Der FIFA-Chef wies den Vorwurf zurück. Es kann doch kein Fehler sein, jemanden zu kritisieren. Auch Spieler und Trainer werden kritisiert, so der 70 Jahre alte Schweizer, da muss man doch verstehen, dass man auch sie kritisiert. Schließlich hätten sie die Vorgaben nicht in allen Partien gleichermaßen angewendet. Was soll ich einem Trainer sagen, dessen Spieler in einem Spiel eine Gelbe Karte für das Ziehen am Trikot bekommt, während dasselbe Vergehen in einem anderem nicht geahndet wird?, sagte Blatter. Hinzu kämen nicht bestrafte Tacklings von hinten sowie grobe Fehler in der Regelanwendung.

Wenn man bessere Spiele wolle, müsse man auch bessere Referees haben. Daher muss die die Professionalisierung unter Schiedsrichtern vorangetrieben werden und das Feld derjenigen erweitert werden, die darüber entscheiden, wer die besten sind, meinte Blatter. Nach der WM wolle er eine entsprechende Diskussion innerhalb der FIFA anregen.

Als weltfremd bezeichnete Hans Meyer, Bundesliga-Trainer des 1. FC Nürnberg, die Vorgaben der FIFA für die Unparteiischen. Die FIFA benutzt diese WM, die Schiedsrichter betreffend, zu einer Experimentierwiese, sagte er. Da werden selbst harmlose Spiele durch eigentlich sehr, sehr gute Schiedsrichter zu Kartenspielen.

So habe der Slowake Lubos Michel - nach Meyers Ansicht einer der besten Schiedsrichter der Welt - beim Achtelfinale zwischen Brasilien und Ghana unter dem Druck der FIFA-Regeln schon in den ersten 13 Minuten drei gelbe Karten verteilt. Die Herren Blatter & Co. werden es noch schaffen, aus Fußball ein Spiel wie Basketball ohne jeglichen Körperkontakt zu machen, sagte Meyer.


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