Kiew - Die Ukrainer kehren erhobenen Hauptes nach Hause zurück - die Kiewer Zeitschrift Korrespondent zog selbst nach der deutlichen 0:3-Niederlage der Ukraine im WM-Viertelfinale gegen Italien eine positive Bilanz.
Zehntausende Menschen in Europas zweitgrößtem Land verfolgten vor Großbildschirmen das Ausscheiden ihrer Nationalmannschaft. Gegen den Druck der Squadra Azzurra fanden die Ukrainer kein Mittel und vergaben ihre wenigen Chancen. Ein Märchen mit traurigem Ende, schrieb das Blatt.
Doch in die Trauer mischte sich Stolz, dass die Mannschaft um Stürmerstar Andrej Schewtschenko überhaupt die Runde der letzten Acht erreichte. Die Ukraine hat von allen Debütanten und Mannschaften der Mittelklasse am besten abgeschnitten, sagte Fan Alexej in Kiew. Dass die Ukraine sich mit ihrem defensiven Spiel und schwankenden Leistungen in Deutschland und beim internationalen Publikum nicht viele Freunde gemacht hat, zählt in der Heimat nicht.
Der sportliche Erfolg bedeutet auch einen politischen Sieg - die zutiefst gespaltene Ukraine scharte sich in den WM-Wochen einig hinter ihrer Sbirna. In Lwiw (Lemberg) im nationalpatriotisch gesonnenen Westen der Ukraine störte sich kein Fan mehr daran, dass die Fußballhelden aus dem Zentrum und Osten des Landes stammen und besser Russisch als Ukrainisch sprechen. Und im russisch geprägten Donezk im Osten fanden plötzlich Trikots in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb reißenden Absatz. Dank dem Fußball werden wir Patrioten, beobachtete die Ukrainska Prawda
Auf der Tribüne in Hamburg verfolgten drei ukrainische Präsidenten das Spiel - der amtierende Staatschef Viktor Juschtschenko und seine Vorgänger Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma. Natürlich wissen alle Ukrainer, dass der Erfolg der Nationalmannschaft mit den Namen politischer Opponenten Juschtschenkos verbunden ist.
Oleg Blochin als Trainer, die Gebrüder Grigori Surkis (Präsident des Fußballverbandes) und Igor Surkis (Präsident von Dynamo Kiew) und die Besitzer der Vereine Schachtjor Donezk und Dnepr Dnepropetrowsk gehören allesamt zu den Gegnern der Orangenen Revolution. Blochin spottete am Tag vor dem Viertelfinale, er höre zum ersten Mal davon, dass der Präsident nach Hamburg kommen wolle.
Doch Juschtschenko nahm das gute Abschneiden der Kicker für das ganze Land in Anspruch. Heute kann jeder Ukrainer stolz auf die Nationalmannschaft sein. Nicht nur Ukrainer hätten der Mannschaft die Daumen gedrückt, sondern auch die ostslawischen Brüder in Russland und Weißrussland, deren Teams nicht für die WM qualifiziert waren. Mit dem Auftritt bei der WM wächst nach Ansicht Juschtschenkos auch die Aussicht, erstmals ein großes Fußballfest in die Ukraine zu holen. Sein Land bewirbt sich gemeinsam mit Polen um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2012.
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