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Ticos träumen weiter vom Achtelfinale | 2006-06-10


München - Der Traum vom Überraschungscoup gegen Deutschland ist geplatzt, dennoch hoffen die Ticos weiter auf den Einzug ins Achtelfinale. Die ernüchternde 2:4 (1:2)-Niederlage im Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft stimmte die Costaricaner zwar tieftraurig, löste aber keineswegs Depressionen aus.

Natürlich sind wir enttäuscht, sagte der zweifache Torschütze Paulo Wanchope. Aber wir kämpfen weiter und glauben an unsere Chance. Gegen Polen-Bezwinger Ecuador wollen die Zentralamerikaner am 15. Juni ihren Fehlstart wettmachen.

Die costaricanische Tageszeitung La Nacion hat das 2:4 als eine ehrenvolle Niederlage bezeichnet. Das Spiel sei jedenfalls nicht zu einer Katastrophe für Costa Rica geworden, kommentierte die wichtigste Zeitung des mittelamerikanischen Landes in San Jose.

Doppeltorschütze Miroslav Klose machte Costa Rica Mut: Wenn sie sich mehr zutrauen, können sie Ecuador und Polen gefährlich werden. Der zum erlösenden 4:2 erfolgreiche Torsten Frings attestierte dem Kontrahenten eine ordentliche Leistung: Sie wurden im Vorfeld schlechter gemacht, als sie sind. Der zum Zuschauen verurteilte Michael Ballack traut den Ticos trotz aller Höflichkeit wenig zu: Ich will sie nicht abstempeln. Aber es wird sehr schwer für sie.

Trainer Alexandre Guimaraes sah trotz des weitgehend biederen Auftritts seiner Schützlinge gegen einen keinesfalls brillierenden Gastgeber keinen Anlass zu großer Kritik - im Gegenteil. Abgesehen von einigen Phasen hat mir unser Spiel Hoffnung für die anstehenden Aufgaben gemacht, sagte er. Wir haben realistische Chancen, gegen Ecuador und Polen zu gewinnen. Sein Team habe bewiesen, dass es nach Rückständen reagieren könne und sei bis zum 2:4 nahe dran gewesen.

Wanchope, mit nunmehr 45 Treffern in 70 Länderspielen Costa Ricas Gerd Müller, konstatierte: Nach dem 2:3 hat Deutschland gewackelt. Aber da hat sich gezeigt, dass uns die Erfahrung fehlt, die eine große Mannschaft auszeichnet. So konnten die Zentralamerikaner nur kurz auf eine Sensation hoffen.

Die vier Gegentreffer durch Philipp Lahm (6. Minute), Miroslav Klose (17./61.) und Torsten Frings (87.) belegen die Anfälligkeit der von Guimaraes auf acht Mann aufgestockten Defensive. Angesichts dieser Bollwerk-Taktik war es zugleich bemerkenswert, dass Sturm-Solist Wanchope zwei Mal zuschlagen konnte (12./73.). Ich habe mir oft vorgestellt, allein vor Jens Lehmann zu stehen, und wusste deshalb genau, was ich machen musste, schilderte er seine Kaltschnäuzigkeit bei den beiden einzigen Chancen für Costa Rica.

Wenigstens endete es nicht in einer Katastrophe, titelte die Tageszeitung La nación zufrieden. Für die Außenseiter war es eine Genugtuung, dem dreimaligen Weltmeister einigermaßen Paroli geboten zu haben. Auf uns haben viele keinen Pfifferling gegeben. Aber wir haben gezeigt, dass wir zu etwas fähig sind, sagte der Ex-Karlsruher Douglas Sequeira. Dies soll zunächst Ecuador und später Polen zu spüren bekommen. Beide Kontrahenten sind nach einhelliger Meinung der Zentralamerikaner schwächer als Gruppenfavorit Deutschland.

Kapitän Luis Marín munterte seine niedergeschlagenen Mannschaftskollegen deshalb auf: Wir haben keine Zeit, die Köpfe hängen zu lassen. In ein paar Tagen geht es weiter. Wir sind traurig, weil wir verloren haben, aber nicht niedergeschlagen. Die Niederlage hatte den meisten Akteuren aber so auf den Magen geschlagen, dass ihr Appetit beim späten Abendessen in München nicht allzu groß war. Nach der nächtlichen Heimfahrt im Mannschaftsbus kamen die Ticos erst kurz vor dem Morgengrauen im WM-Quartier in Walldorf an.

Die Knieverletzung von Costa Ricas Verteidiger Gilberto Martínez hat sich zum Glück als nicht so schlimm herausgestellt. Er kann vielleicht gegen Ecuador spielen, gab Mannschaftsarzt Gerardo Artavia nach einer eingehenden medizinischen Untersuchung im WM-Quartier der Zentralamerikaner in Walldorf Entwarnung. Martínez musste gegen Deutschland in der 66. Minute ausgewechselt werden. Nach eingehenden medizinischen Untersuchungen im WM-Quartier der Zentralamerikaner in Walldorf kam am Tag nach der Partie sogar das endgültige Aus für den 30-Jährigen.

Eine ärztliche Untersuchung aller Spieler ergab, dass bis auf Danny Fonseca alle ohne Probleme sind. Der defensive Mittelfeldmann zog sich gegen Deutschland eine leichte Muskelzerrung zu. Seinem Einsatz im zweiten Gruppenspiel Costa Ricas gegen Ecuador am 15. Juni in Hamburg steht nach Artavias Angaben aber nichts im Weg.


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