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Karibisches Fußball-Märchen: Schweden deprimiert | 2006-06-11


Dortmund - Erst wurden sie als Exoten belächelt, nach ihrem WM-Debüt jedoch euphorisch bejubelt. Wie einen Titelgewinn feierten die krassen Außenseiter aus Trinidad und Tobago zusammen mit ihren Fans das 0:0 gegen die vermeintlich übermächtigen Schweden.

Im Anschluss an die zweite Überraschung des Turniers (nach dem Sieg von Ecuador über die Mannschaft aus Polen) lief Leo Beenhakker zu ähnlich großer Form auf wie zuvor seine Soca Warriors auf dem Rasen. Für das karibische Fußball-Märchen fand der Coach eine einfache Erklärung: Wir sprechen hier nicht über Mathematik. Normalerweise ist zwei und zwei vier, aber im Fußball ist es meistens drei oder fünf.

Der Auftritt vor den verblüfften Medienvertretern aus aller Welt bereitete dem Niederländer großes Vergnügen. Mit einem schelmischen Lächeln erklärte er wieder und wieder den Unterschied zwischen seinen B-Profis und den Spielern des Gegners: Die Schweden spielten im Angriff mit Stars von Juventus, Arsenal und Barcelona. Wir setzten Jungs aus Jabloteh, Gillingham und Wrexham dagegen. Ich bin sicher, sie müssen erst nachschauen, um herauszufinden, wo diese Orte überhaupt liegen.

Beenhakkers Freude über den unerwarteten Coup und die Atmosphäre im Dortmunder Stadion bekam auch Zlatan Ibrahimovic zu spüren. Überschwänglich nahm der niederländische Weltenbummler den Schweden beim Verlassen des Spielfeldes in den Arm und küsste ihn auf die Wange. Minuten später gab Beenhakker das kurze Gespräch mit dem aus gemeinsamen Tagen bei Ajax Amsterdam bekannten Torjäger zum besten: Ich habe mich gefreut, dass er nicht getroffen hat und ihm gesagt: Zlatan, du bist ein echter Freund. Ich liebe Dich.

Einmal mehr machten sich die in der Schweiz, Türkei, Mexiko und Saudi-Arabien gemachten Erfahrungen des 63 Jahre alten Trainers bezahlt. Mit großer Leidenschaft setzte sich sein Team gegen den WM- Geheimfavoriten zur Wehr. Selbst der erste Platzverweis der WM für Abwehrspieler Avery John nur eine Minute nach Wiederanpfiff konnte seine Profis aus zumeist unteren Ligen in England und Schottland nicht schrecken. Mit erstaunlich professioneller Defensivarbeit und etwas Glück brachten sie die Punkteteilung in Unterzahl über die Zeit. Dwight Yorke, einziger namhafter Spieler des Teams aus dem kleinsten jemals bei einer WM gestarteten Land, geriet ins Schwärmen: Das ist ein historischer Tag.

Die Leistung von Shaka Hislop (West Ham United) rundete das Bild von einem wundersamen Fußball-Abend ab. Weil eine alte, überwunden geglaubte Wadenverletzung bei Mitstreiter Kelvin Jack beim Aufwärmen wieder aufgebrochen war, hütete der Ersatzkeeper kurzentschlossen das Tor. Nach anfänglicher Nervosität avancierte Hislop neben dem 34 Jahre alten Yorke zum besten Spieler auf dem Platz. Wir wissen, dass wir dieses Turnier nicht gewinnen können. Aber wir haben uns vorgenommen, ein oder zwei Gegner zu ärgern, sagte er mit Blick auf das nächste Gruppenspiel gegen England in Nürnberg.

Inmitten des Beifalls für die tapferen Underdogs schlichen die Schweden mit hängenden Köpfen vom Rasen. Auch mit Stars wie Henrik Larsson, Ibrahimovic und Fredrik Ljungberg konnte der Fluch des ersten WM-Spiels nicht gebannt werden: Zum siebten Mal startete das Team sieglos in ein Turnier. Trainer Lars Lagerbäck trauerte vor allem der vergebenen Großchance des früheren Rostockers Marcus Allbäck (80.) nach. Das war einer dieser Tage, an denen wir nicht treffen. Nun drohen bleibende Schäden. Viel wird davon abhängen, wie sein zuvor noch überaus zuversichtliches Team diesen Rückschlag verkraftet. Es gab nicht viele lachende Gesichter in der Kabine, gestand Lagerbäck.


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