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Bauboom am Reichstag - Minikuppel und Konzertarena | 2006-05-04


Berlin - Mit drei Millionen Besuchern jährlich ist der Reichstag in Berlin mit der Kuppel von Stararchitekt Norman Foster ein Touristenmagnet ersten Ranges. Zur Fußball-Weltmeisterschaft wird nun mit zigtausend zusätzlichen Berlin-Gästen am Sitz des Bundestages gerechnet.

Deswegen entsteht zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus eine Bundestagsarena, mit der das Parlament vom 7. Juni bis 9. Juli über seine Arbeit informieren will. Es wird dort interessante Einblicke geben, auch für Leute, die primär Fußball im Kopf haben, versprach Bundestagsdirektor Hans-Joachim Stelzl.

Die Arena hat die Form einer Kuppel, die der von Foster auf dem Reichstag ähnelt; sie ist 22 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 30 Metern. Die Kosten von 2,5 Millionen Euro werden vom Bundestag und Sponsoren getragen. Zwar seien nicht alle Parlamentarier für das Projekt gewesen, es habe aber überwiegend breite Zustimmung gegeben, sagt Projektleiter Werner Braun, der von ein bisschen Infotainment spricht. Nach Disneyland soll die Minikuppel aber nicht aussehen. Die 550 Plätze sind nach Fraktionsstärke eingeteilt und entsprechend farblich gestaltet. Bis zu 200 000 Besucher werden in der Arena erwartet, die auch ein Alternativangebot zum Reichstag sein soll, der am Rande seiner Kapazität sei, wie Braun sagt.

Vor dem Reichstag, wo Hobbyfußballern vor einigen Jahren das Kicken verboten wurde, baut Adidas zur WM ein Mini-Olympiastadion mit immerhin 10 000 Plätzen, in dem Konzerte steigen und Spiele auf Großbildleinwänden laufen sollen. Dutzende Bäume mussten dem WM-Bau und dem Asphalt weichen, der Sportartikelhersteller gelobt aber Wiedergutmachung. Ganz in der Nähe des Reichstags hat die Imagekampagne Land der Ideen riesige Skulpturen platziert - ein Auto am Brandenburger Tor und eine Tablette am Spreeufer - die für den Erfindungsreichtum des WM-Gastgebers werben sollen. Außerdem wird die U-Bahn im Regierungsviertel ausgebaut, und mit einem Besucherpavillon soll endlich der langjährige Toilettennotstand vor dem Reichstag ein Ende haben.

Den Bauboom im Regierungsviertel verfolgt mancher mit Argwohn: Die Baukammer Berlin kritisierte das Adidas-Gelände als rücksichtslose Zerstörung einer prämierten Landschaftsarchitektur. In europäischen Städten wie München, Hamburg oder Paris und London wäre eine solche Aktion undenkbar gewesen, meinen die Ingenieure. Die Gesellschaft Historisches Berlin nimmt den WM-Rummel im Regierungsviertel dagegen überraschend gelassen. Das verschwindet ja wieder, sagt die Vorsitzende Birgit Lucas. Lasst doch den Leuten ihren Spaß.


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