Berlin - Mexiko zittert vor dem Duell gegen Portugal um den Einzug ins Achtelfinale, Fußball-Zwerg Angola kämpft weiter um die Sensation: Der Showdown in der Vorrunden-Gruppe D verspricht spannend zu werden.
Dagegen mutiert das ursprüngliche Top-Spiel in Hammer-Gruppe C zwischen den bislang überragenden Gauchos aus Argentinien und den Niederländern zur Mogelpackung, nachdem beide Trainer ankündigten, allen bisherigen Gelb-Sündern Verschnaufpausen zu verschaffen und faktisch mit B-Teams anzutreten. Zwischen beiden WM-Favoriten geht es nur noch um Gruppen-Platz eins, auf den offenbar keines der Top-Teams so richtig scharf ist.
Gleiches gilt für Portugal, das schon vor dem eigentlichen Gruppen-Hit gegen Mexiko in Gelsenkirchen sicher das Achtelfinale erreicht hat. Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari aus Brasilien wird daher die Stars Cristiano Ronaldo, Deco, Nuno Valente, Pedro Pauleta und Costinha auf die Bank setzen. Die Mexikaner, denen ein Punkt zum zweiten Gruppenplatz reicht, schöpfen daher Hoffnungen auf den vierten Achtelfinaleinzug seit 1990. Das erstmalige Vorrunden-Aus seit 16 Jahren käme einer nationalen Katastrophe gleich. Torjäger Jared Borgetti kann wegen einer Wadenverletzung nicht von Beginn an spielen und soll im Falle eines Rückstandes als Joker gezogen werden.
Konkurrent Angola hat indes nach dem ersten Punktgewinn seiner WM-Geschichte Morgenluft gewittert. Wir werden kämpfen. Das sind wir unserem Volk schuldig, kündigte Torwart Joao Ricardo an, der nach dem 0:0 gegen die Mexikaner zum Volkshelden avancierte. Gegen Iran müssen die Schwarzen Antilopen in Leipzig aber mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen und zugleich auf eine Niederlage Mexikos hoffen, um die Sensation perfekt zu machen. Bei den punktlosen Iranern, die bereits am Freitag in die Heimat abreisen, fehlt Bayern-Akteur Ali Karimi, der sich nach der Auswechslung im Spiel gegen Portugal eine Unbeherrschtheit leistete. Karimi wird nicht spielen, sagte Coach Ivankovic. Dagegen wird der umstrittene Stürmer Ali Daei wieder in der Anfangsformation stehen.
Wenig Brisanz liegt kurioserweise in dem eigentlichen Traum-Duell zwischen Argentinien und den Niederlanden. Felsenfest gehen die Gauchos von der Verteidigung des ersten Gruppen-Platzes aus: Sie buchten schon die Direktflüge zum Achtelfinalspielort nach Leipzig, um die Reisestrapazen zu minimieren. Team-Maskottchen Maradona wird in Frankfurt diesmal aber Stars wie Javier Saviola, Hernan Crespo und Gabriel Heinze nicht zujubeln können, die mit einer Gelben Karte vorbelastet sind und im Falle der zweiten Verwarnung im Achtelfinale zuschauen müssten.
Genauso pokert Bondscoach Marco van Basten, in dessen Team bislang gleich sechs Spieler Gelb sahen. Unter anderen werden Starspieler Arjen Robben und Mark van Bommel von der Bank aus zusehen. Dies eröffnet dem lange angeschlagenen Hamburger Rafael van der Vaart die Chance auf einen Platz in der Startformation. Als sicher gilt auch der Einsatz von Stammkeeper Edwin van der Sar, der sein 112. Länderspiel für Oranje bestreitet und mit Rekordnationalspieler Frank de Boer gleichzieht.
Nur noch um die goldene Ananas kämpfen im Duell der Enttäuschten Serbien-Montenegro und die Elfenbeinküste. Serben-Coach Ilija Petkovic, der bereits seinen Rücktritt ankündigte, stehen in München die gesperrten Mateja Kezman und Ognjen Koroman sowie der verletzte Alber Nadj nicht zur Verfügung, weitere Spieler sind angeschlagen. Trotz des Ausfalls des gesperrten Stürmerstars Didier Drogba scheinen die Elefanten aus Ostafrika motivierter. Wir wollen mit erhobenem Haupt nach Hause fahren, sagte Stürmer Bakary Kone.
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